Feller nach bandscheiben-op wieder wach: „nächste saison komme ich zurück“

Manuel Feller liegt flach, aber er liegt nicht auf. Am Donnerstagmorgen öffnet der 33-Jährige die Augen im Salzburger Privatklinikum, tippt drei Sätze in sein Handy und versetzt damit die Ski-Welt in zwei Gefühle: Erleichterung – und neue Sorge.

„Die Operation ist gut verlaufen“, schreibt der Slalom-Weltcup-Sieger 2024 in seiner Instagram-Story, nur Stunden nachdem ihn die Narkose losgelassen hat. Das klingt nach Happy-End, ist aber nur Zwischensprint. Denn hinter der Rücken-OP wartet schon der nächste Eingriff, diesmal an der Leiste. Ein Doppelpack, der selbst im Leistungssport selten ist.

Zehn jahre ischias – und kein ende in sicht

Feller liefert die Zahl selbst: zehn Jahre schon quälen ihn die Ischias-Schmerzen, ausgelöst durch wiederholte Bandscheibenvorfälle. Was als leises Ziehen begann, wurde zum Dauersignal, das sich in diesem Winter verschärfte. „Ich habe nachts nicht mehr geschlafen, bin morgens steif aus dem Bett gekrochen“, berichtete er am Mittwoch in einem Video, das er aus dem Krankenzimmer postete. Die Konsequenz: Saisonende mit sofortiger Wirkung – und die Entscheidung, sich endlich operieren zu lassen.

Die erste von vermutlich zwei Operationen ist geschafft. Doch wer jetzt denkt, Feller würde sich in Ruhestand verabschieden, kennt den Steirer schlecht. „Ich will zurück auf die Piste“, betonte er schon vor dem Eingriff. Dafür nimmt er sogar in Kauf, dass er die Sommervorbereitung komplett verpasst. Statt Schneetraining wird es Reha-Geräte und Aquajogging geben. Der Zeitplan ist klar: Am 1. Oktober will er wieder auf Ski stehen – sonst verpasst er den Saisonstart in Sölden.

Silber als saison-abschluss – und als motivation

Silber als saison-abschluss – und als motivation

Der letzte Eindruck, den Feller der Ski-Welt hinterließ, war ein starker: Silber in der Team-Kombination von Milano-Cortina, gemeinsam mit Vincent Kriechmayr. Ein Erfolg, der ihm fast schmerzfreie Tage bescherte – zumindest mental. „Diese Medaille ist mein Turbo“, sagt er. „Sie zeigt mir, dass der Körper noch kann, wenn der Schmerz nicht alles blockiert.“

Die Statistik spricht für ihn: In 13 Weltcup-Saisons holte Feller sieben Siege, 21 Podestplätze. Doch die Zahlen blenden. Hinter jeder Fahrt steckte ein Kompromiss zwischen Leistung und Leid. Teamkollegen wussten: Wenn Feller nach dem ersten Lauf im Slalom noch lächeln konnte, war die Schmerztablette gerade erst gewirkt.

Jetzt ist die Zeit der Chemotherapie für Sportler vorbei – zumindest die der leistungssteigernden Art. Stattdessen stehen Blutwerte, Reha-Pläne und ein neues Rückenkorsett auf dem Programm. Feller hat sich einen privaten Physiotherapeuten ins Haus geholt, der mit ihm schon morgens um sechs beginnt. Die Klinik wird zum zweiten Wohnzimmer.

Und die Konkurrenz? Sie schaut nach vorn. Luca Aerni postet Trainingvideos aus Chile, Henrik Kristoffersen testet neue Ski in Argentinien. Während die anderen Sommerluft schnappen, atmet Feller OP-Luft – und behält trotzdem den Blick auf die Zielgerade. „Ich werde nicht der erste sein, der nach zwei Operationen zurückkommt“, sagt er. „Aber ich will der schnellste sein, der es je geschafft hat.“

Die Uhr tickt. In 180 Tagen beginnt der nächste Weltcup. Feller hat schon einen Termin im Kalender: 26. Oktober 2026, Riesenslalom Sölden. Wer ihn kennt, weiß: Er wird dort stehen – mit Rücken, Leiste und einem Funken in den Augen, der stärker ist als jede Narbe.