Völler-alarm: teamgeist als wm-waffe gegen alte dämonen

Herzenaurach – Der WM-Trauma von 1994 sitzt tief. Rudi Völler, DFB-Sportdirektor, hat eindringlich daran erinnert, dass die bittere Viertelfinalpleite gegen Bulgarien, bei der das favorisierte deutsche Team sang- und klanglos unterging, eine Lektion für die Gegenwart ist. Es geht nicht nur um fußballerische Klasse, sondern um das unbedingte Miteinander im Team.

Die geister von den usa spuken noch

„Wir waren damals eigentlich besser als 1990“, betonte Völler am Mittwoch im Rahmen der WM-Vorbereitung. „Aber es hat in der Mannschaft nicht gestimmt. Es gab Unstimmigkeiten, die uns letztendlich das Aus kosteten.“ Die heutige Generation um Kapitän Joshua Kimmich müsse aus dieser Vergangenheit lernen. Doch Völler zeigt sich optimistisch: „Ich bin überzeugt, dass Julian Nagelsmann das wunderbar hinbekommen wird.“ Der Bundestrainer habe bereits bei der Begrüßung im Trainingslager bei Partner adidas eine positive Atmosphäre geschaffen und die Spieler „mitgenommen“.

Nagelsmann selbst rief nun zum Zusammenhalt auf. „Wir müssen uns für die nächsten Wochen wie eine Familie fühlen“, forderte er seine Stars. „Das ist entscheidend für einen guten Teamgeist – und dafür ist jeder verantwortlich.“ Der Druck ist enorm, die Erwartungen hoch. Deutschland trifft in der Gruppe E auf Curacao, die Elfenbeinküste und Ecuador. Ein Fehlstart wäre verheerend, die Erinnerung an 1994 – an die zerstrittenen Stars und die bittere Enttäuschung – ist allgegenwärtig.

Familien-tag als team-booster

Familien-tag als team-booster

Um den Teamgeist zusätzlich zu stärken, werden am Freitag auch die Familien der Spieler nach Herzogenaurach eingeladen. Ein ungewöhnliches, aber möglicherweise wirksames Mittel, um die Bindung zu festigen und eine familiäre Atmosphäre zu schaffen. Die Maßnahme zeigt, wie ernst es Völler und Nagelsmann mit dem Thema Teamgeist meinen. Denn eins ist klar: Nur ein funktionierendes Kollektiv kann bei einer Weltmeisterschaft erfolgreich sein.

Die Aufgabe für Nagelsmann ist klar: Er muss eine Einheit schaffen, die nicht nur taktisch überzeugt, sondern auch emotional geschlossen auftritt. Die WM in den USA, Mexiko und Kanada bietet die Chance, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und eine neue Erfolgsgeschichte zu schreiben. Aber die Geister von 1994 lauern noch im Hintergrund – und nur ein starker Teamgeist kann sie vertreiben.