Capotondi packt aus: kindheitstrauma, trennung und neue familie
Cristiana Capotondi bricht ein Schweigen, das Jahrzehnte andauerte. In einem ausführlichen Interview mit der „Corriere della Sera“ spricht die 45-jährige Schauspielerin offen über ihre Kindheit, ihre Karriere, die Trennung von ihrem langjährigen Partner und die Freude an ihrer Tochter Anna. Ein Blick hinter die Kulissen eines Erfolgs, der mit Schmerz begann.
Die verlorene kindheit und der weg zur schauspielerin
„Ich war ein Kind, das sich lange Zeit nicht schön, nicht beachtet und nicht wertgeschätzt fühlte“, gesteht Capotondi. Diese frühe Wahrnehmung begleitete sie durch ihre Jugend und fand ihren Ausgleich in der Schauspielerei. Mit gerade mal 13 Jahren begann ihre Karriere, die ihr zwar viele Chancen eröffnete, aber auch einige Opfer abverlangte. „Ich glaube, ich habe mir ein gutes Stück meiner Kindheit und Jugend entzogen“, räumt sie ein. Der Erfolg mit „Nächste Nähe“ im Jahr 2006 war ein Wendepunkt, der sie vor eine Zerreißprobe stellte. Aus Angst, den Bezug zur Realität zu verlieren, floh sie für anderthalb Jahre nach Paris, um Französisch zu lernen, bevor sie nach Mailand zurückkehrte.

Liebe, trennung und eine ungewöhnliche familiengründung
Ein weiterer bewegender Teil des Interviews widmet sich ihrer Tochter Anna, die 2022 geboren wurde. Vor ihrer Mutterschaft war Capotondi fünfzehn Jahre lang mit Andrea Pezzi zusammen, und obwohl die Beziehung endete, blieb er während ihrer Schwangerschaft und bei Annas Geburt eine wichtige Stütze. „Der Vater meiner Tochter und ich sind nicht mehr ein Paar, aber er ist sehr präsent“, betont die Schauspielerin. Sie beschreibt eine erweiterte, inklusive Familie, die aus Verwandten, aber auch aus Freunden und Bezugspersonen besteht, die Anna eine breite Basis bieten.
Capotondi sieht darin einen Spiegelbild der gesellschaftlichen Veränderungen. „Es gibt Frauen, die sich ohne Partner für die Mutterschaft entscheiden – auch einige meiner Freundinnen haben das getan. Das finde ich wunderschön. Viele Tabus zerbrechen“, so die Schauspielerin. Die Entscheidung, mit 42 Jahren Mutter zu werden, empfindet sie als richtig und im perfekten Moment ihres Lebens. „Ich war glücklich, aber ich denke, es war ein sehr guter Zeitpunkt für mich“, erklärt sie.
Die Geburt ihrer Tochter hat Capotondi eine Seite ihrer selbst zurückgebracht, von der sie dachte, sie habe sie verloren. „Anna hat viele Barrieren durchbrochen und mir meine Kindheit und das Spiel zurückgegeben.“ Ein Wandel, der sie verständnisvoller und fähiger gemacht hat, andere mit anderen Augen zu sehen. Das Interview zeigt eine Frau, die ihre Vergangenheit aufarbeitet, sich ihrer Gegenwart bewusst ist und voller Zuversicht in die Zukunft blickt. Sie hat gelernt, dass Familie nicht immer das traditionelle Bild einer Mutter, eines Vaters und der Kinder widerspiegelt, sondern eine vielfältige und liebevolle Gemeinschaft sein kann, die einem Kind Halt und Geborgenheit gibt.