Ex-stars auf der bank: braucht der fußball neue führungskräfte?

Die italienische Fußballszene brodelt: Der Ruf nach frischen Ideen und neuen Führungskräften wird lauter. Und die Lösung, die immer wieder auftaucht? Ehemalige Weltklasse-Spieler in Schlüsselpositionen. Doch ist der Weg vom Spielfeld in den Vorstand wirklich so geradlinig, wie es scheint?

Die romantik des heldenstatus trügt

Die romantik des heldenstatus trügt

Die Vorstellung, dass ehemalige Champions die Fäden ziehen und den Fußball wieder auf Kurs bringen, ist verlockend. Namen wie Paolo Maldini, Alessandro Del Piero, Damiano Tommasi, Demetrio Albertini und Giorgio Chiellini fallen dabei immer wieder – eine Riege von Ausnahmesportlern, die das Spielfeld über Jahre dominiert haben. Aber genau hier liegt der Knackpunkt: Das Leben auf dem Platz ist eine völlig andere Welt als die des Managers.

Auf dem Rasen zählen klare Regeln, definierte Ziele und sofortige Meritokratie. Wer besser ist, gewinnt. Im Management hingegen herrschen Kompromisse, lange Entscheidungswege und divergierende Interessen. Es geht nicht darum, wer am talentiertesten ist, sondern darum, ein komplexes System am Laufen zu halten – und das erfordert ein ganz anderes Skillset.

Die italienische Presse, allen voran Vizedirektorin Arianna Ravelli, warnt eindrücklich: „Dirigieren ist keine natürliche Fortsetzung der Karriere als Sportler. Es ist ein Wechsel der Sprache.“ Ein Fußballspieler versteht sich mit Taktik, Technik und Teamgeist. Ein Manager muss aber vor allem vermitteln, verhandeln und die Interessen verschiedener Parteien unter einen Hut bringen. Das ist eine Kunst für sich.

Die Ernennung eines ehemaligen Spielers zum Manager kann durchaus sinnvoll sein, aber sie darf nicht auf Nostalgie oder dem Mythos des Helden basieren. Es braucht eine klare Aufgabenstellung, das richtige Umfeld und vor allem eine ehrliche Bewertung, ob die Person die notwendigen Fähigkeiten mitbringt. Sonst endet der Traum vom Fußball-Revolutionär schnell in einer Enttäuschung.

Die Zahl der gescheiterten Beispiele ist da, um zu mahnen: Ein glänzender Sternenhimmel auf dem Platz garantiert noch lange keinen Erfolg im Vorstandssaal. Die italienische Liga steht vor großen Herausforderungen, und die Suche nach Lösungen muss mit Augenmaß und Pragmatismus erfolgen – nicht mit romantischen Illusionen.