Ex-scout mrosko: berliner bringen 'giftigkeit' auf den platz!

Berlin – Lars Mrosko, ehemaliger Scout von Union Berlin und erfahrener Experte für Nachwuchsfußball, hat in einem aktuellen Interview auf rbb|24 eine überraschende These aufgestellt: Die Hauptstadtteams bringen eine besondere Mischung aus Spielwitz und einer gewissen „Giftigkeit“ mit. Seine Beobachtungen, die er auch in seinem neuen Buch „Scouting: Jagdfieber im Profifußball“ festhält, werfen ein neues Licht auf die Dynamik des Berliner Fußballs.

Von bayerns jugendabteilung zur hauptstadt

Mrosko, der unter anderem bei Bayern München, dem VfL Wolfsburg und eben Union Berlin tätig war, blickt auf eine lange Karriere im Scouting zurück. Er schildert die Herausforderungen, den Druck von Eltern und die Notwendigkeit, über reine Datenanalysen hinauszublicken, um wahre Talente zu erkennen. „KI und Daten können den Charakter und die Mentalität nicht messen“, betont er, „das ist aber eine wichtige Basis von Talent.“

Seine Zeit bei Union Berlin, wo er bis 2021 als Scout tätig war, prägt seine Einschätzung des Berliner Fußballs. Er erinnert sich an die Schwierigkeit, in einem Umfeld zu arbeiten, das primär auf die Stabilisierung der ersten Mannschaft ausgerichtet war. „Die Nachwuchsspieler wurden meist ausgeliehen, um sich woanders zu entwickeln“, so Mrosko.

Spielwitz und biss: was macht berliner fußball besonders?

Spielwitz und biss: was macht berliner fußball besonders?

Doch Mrosko sieht auch positive Aspekte. „Die Berliner bringen so einen Spielwitz mit, eine gewisse Giftigkeit“, erklärt er. „Dadurch, dass wir so multikulturell sind, haben die Jungs eine besondere Art, die man dann auf dem Platz auch merkt.“ Er erinnert sich an Spieler wie Lennny Hartmann und Bilal Cubukcu, die mit Freude und Leidenschaft am Ball standen. Auch Tim Kleindienst, dessen Karriere er bereits in jungen Jahren erkannte, beeindruckte ihn durch seinen unbedingten Siegeswillen und seine Ausstrahlung.

Die Geschichte von Tim Kleindienst verdeutlicht Mroskos pointierten Blick: Der Stürmer, der mittlerweile Nationalspieler ist, wechselte aus finanziellen Gründen in die Türkei, um seine Familie zu unterstützen – ein Beispiel für den Druck, der auf junge Talente lasten kann.

Mehr als nur daten: der wert menschlicher beobachtung

Mehr als nur daten: der wert menschlicher beobachtung

Mrosko plädiert für eine Rückbesinnung auf das klassische Scouting. Auch wenn datenbasierte Analysen ihren Wert haben, dürfen sie die menschliche Beobachtung nicht ersetzen. „Ich bin selber sehr viel herumgefahren, habe Zeitungen durchforstet und mir Spiele vor Ort angeschaut“, erzählt er. „Man muss das Spiel lieben und das muss man auf dem Platz sehen.“

Die Erkenntnisse des erfahrenen Scouts sind nicht nur für Vereine in Berlin relevant, sondern für die gesamte deutsche Fußballlandschaft. Denn die Suche nach Talenten erfordert mehr als nur Algorithmen – sie braucht ein Auge für das Besondere, ein Gespür für Leidenschaft und eine Portion menschlicher Intuition. Denn letztendlich entscheidet nicht die Statistik, sondern die Mentalität über den Erfolg.