Evenepoel verzichtet auf hölle des nordens: kluge entscheidung für die tour?

Remco Evenepoel, der zweimalige Olympiasieger, wird in diesem Jahr auf einen Start bei Paris-Roubaix verzichten. Eine Überraschung? Vielleicht nicht, wenn man die langfristigen Ziele des jungen Belgiers betrachtet. Die Entscheidung, die von seinem Team Red Bull-Bora-hansgrohe am Ostermontag bekannt gegeben wurde, wirft einen interessanten Blick auf die Prioritäten im Profi-Radsport.

Flandern als vorgeschmack: form stimmt, aber die tour zählt

Evenepoel zeigte in der Flandern-Rundfahrt beeindruckende Leistungen und sicherte sich einen dritten Platz. Die Pflasterstrecken schienen ihm zu liegen, und viele Experten, darunter auch Jens Voigt, räumten ein, dass er durchaus das Zeug dazu gehabt hätte, in Roubaix eine Rolle zu spielen. “Remco war sehr, sehr stark in Flandern”, so Voigt im Interview mit Eurosport. “Eine Teilnahme bei Paris-Roubaix hätte gepasst, die Form ist auf jeden Fall da.”

Doch Red Bull hat einen Plan – und dieser Plan führt zur Tour de France. Der Gewinn der prestigeträchtigsten Rundfahrt im Radsport hat für das Team oberste Priorität. Und das ist auch der Grund, warum Evenepoel nun einen Gang zurückschalten muss. Nach einer Saison mit bereits drei anstrengenden Etappenrennen (Valencia, UAE Tour, Katalonien) und dem Kraftakt in Flandern ist eine Erholung und gezielte Vorbereitung auf die Ardennen-Klassiker und vor allem die Tour de France entscheidend.

Lüttich-bastogne-lüttich im visier: eine tradition, die gepflegt werden will

Lüttich-bastogne-lüttich im visier: eine tradition, die gepflegt werden will

Am 27. April steht mit Lüttich-Bastogne-Lüttich ein weiteres Monument auf dem Programm. Evenepoel, der das Rennen bereits 2022 und 2023 für sich entscheiden konnte, will auch dieses Mal vorne mitmischen. Ein Start in Roubaix hätte seine Vorbereitung auf Lüttich potenziell beeinträchtigt. Die Entscheidung ist daher nachvollziehbar, auch wenn sie viele Fans enttäuscht.

Wie Voigt betonte, ist ein Doppelstart bei Paris-Roubaix und der Tour de France heutzutage eher ungewöhnlich. “Das ist gegen die Regeln des modernen Radsports”, so der ehemalige Radprofi. “Pogacar ist die einzige Ausnahme, die die Regel bestätigt.”

Evenepoel scheint sich auf die Ardennen zu konzentrieren, wie ein Teamsprecher gegenüber Sporza bestätigte. “Nach seinem beeindruckenden Debüt bei der Flandern-Rundfahrt ist Paris – Roubaix ein Ziel, das wir in den kommenden Jahren gemeinsam in Betracht ziehen können. Aber im Moment halten wir an unserem Plan fest.”

Es bleibt abzuwarten, ob sich die Prioritäten in Zukunft ändern werden – beispielsweise, sollte Evenepoel die Tour de France gewinnen. Bis dahin wird er sich weiterhin auf seine Stärken konzentrieren und versuchen, seine Dominanz in den Ardennen zu festigen. Die Fans dürfen gespannt sein, welche Rolle er in den kommenden Jahren bei den Monumenten spielen wird. Die Entscheidung für die Tour de France ist aber im Moment genau die richtige – und zeigt, wie strategisch das Team um Evenepoel plant.