Evenepoel fordert pogacar heraus: kann er im ardennen-klassiker endlich schlagen?

Remco Evenepoel, der mit einem Millionen-Deal zu Red Bull-Bora-hansgrohe wechselte, steht vor einer entscheidenden Bewährungsprobe beim Lüttich-Bastogne-Lüttich. Nach jahrelangen Dominanz von Tadej Pogacar will der belgische Radstar endlich den Spieß umdrehen – und zeigt dabei eine bemerkenswerte Entschlossenheit.

Verzicht auf fleche wallonne als taktischer schachzug

Der Druck auf Evenepoel ist enorm. Nach seinem lukrativen Wechsel wird von ihm einiges erwartet, und der Verzicht auf die Fleche Wallonne war ein klares Signal: Er konzentriert sich voll und ganz auf den Sonntag. Doch ob dieser radikale Schritt ausreicht, um die Überlegenheit Pogacars zu brechen, bleibt abzuwarten.

Seit drei Jahren konnte Evenepoel, abgesehen von seinen Zeitfahreffizienzen, in keinem Eintagesrennen gegen Pogacar bestehen. Die Bilanz ist eindeutig: Zehn von zwölf Rennen gingen an den Slowenen, der sich auch bei der Tour de France als haushoch überlegen erwies. Dieser Umstand ist für den Belgier, bekannt für sein großes Ego, schwer zu ertragen. "Es ist ein Ansporn", erklärte Evenepoel gegenüber der Gazzetta delloSport, und betonte sein Bestreben, "die beste Version von mir selbst zu erreichen – und die noch nicht zu sehen war."

Die tour de france: eine utopie?

Die tour de france: eine utopie?

Die Investition von Red Bull-Bora-hansgrohe in Evenepoel war beträchtlich – Schätzungen gehen von 20 Millionen Euro in drei Jahren aus. Doch während er bereits sieben Saisonsiege einfuhr, äußern Experten Zweifel, ob Evenepoel jemals das Zeug zum Tour-Sieger hat. "Er hat alle Puzzleteile, nur dieses eine nicht: Ihm fehlt etwas in den hohen Bergen," meint Ex-Tour-Champion Andy Schleck. Jens Voigt stimmte zu: "Drei Etappen hintereinander im Hochgebirge – das ist nichts für ihn."

Die Frage ist, ob Evenepoel in den Bergen womöglich als Helfer für Florian Lipowitz, der im vergangenen Jahr Dritter bei der Tour wurde, fungieren muss. Ein Szenario, das ihn, den teuersten Edel-Domestiken der Radsportgeschichte, womöglich unglücklich stimmen würde. Doch die Verantwortlichen von Red Bull planen zunächst mit beiden Fahrern als Doppelspitze.

Ein leben voller rekorde

Ein leben voller rekorde

Evenepoel, einst als das Jahrhunderttalent des belgischen Radsports gefeiert, blickt auf eine ungewöhnliche Vita zurück. Mit 16 Jahren spielte er noch in der belgischen Fußball-Juniorenauswahl und lief den Halbmarathon in beachtlichen 1:13 Stunden, bevor er sich dem Radsport verschrieb. Die Erwartungen in seiner Heimat sind immens, doch Evenepoel hat gelernt, damit umzugehen: "Ich fahre jetzt seit sieben oder acht Jahren professionell Rad, und das hilft."

Der kampf um den sieg

Der kampf um den sieg

Am Sonntag winkt Evenepoel der dritte Sieg in Lüttich – im direkten Duell mit Pogacar. Allerdings wird es beim Finale des Ardennen-Triples nicht nur zu einem Zweikampf zwischen den beiden kommen. Das französische Supertalent Paul Seixas und Tom Pidcock, der sich bei Mailand-Sanremo nur knapp gegen Pogacar durchsetzen ließ, gehören ebenfalls zum Kreis der Favoriten. Mathieu van der Poel und Wout van Aert fehlen hingegen.

Die Geschichte wird zeigen, ob Evenepoel es schafft, den Bann zu brechen und Pogacar endlich zu bezwingen. Eines ist jedoch sicher: Der Belgier wird alles daran setzen, seinen Traum vom dritten Sieg in Lüttich zu verwirklichen. Die Radsportwelt fiebert mit.