Euroliga am scheideweg: lizenzstreit und neue wirtschaftsmodelle

Barcelona brodelt – und das nicht nur wegen der warmen Temperaturen. Die Euroliga befindet sich im Epizentrum entscheidender Verhandlungen, die die Zukunft des europäischen Basketballs maßgeblich beeinflussen könnten. Während drei Top-Klubs um ihre Lizenz bangen, zeichnet sich eine radikale Neugestaltung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Der Druck steigt, die Weichen für die kommende Saison zu stellen.

Die lizenz-hängepartie: real madrid, fenerbahce und asvel unter druck

Der Deadline für Real Madrid, Fenerbahce und ASVEL Villeurbenne ist verstrichen. Die drei Vereine, die ihre Lizenz noch nicht erneuert haben, stehen nun im Fokus. Die Frage ist nicht, ob sie sich mit dem neuen System arrangieren können, sondern ob sie überhaupt eine Zukunft in der Euroliga sehen. Gerüchte über ein vermeintliches Angebot der NBA Europa, das ab der Saison 2027/28 starten soll, schüren die Unsicherheit zusätzlich. Chus Bueno, der neue CEO der Euroliga, versucht, die beiden Schwergewichte Real Madrid und Fenerbahce umzustimmen, doch der Reiz des amerikanischen Kontinents scheint groß. ASVEL hingegen hat es schwerer – sportliche Leistungen, finanzielle Engpässe und geringe Zuschauerzahlen könnten letztendlich zur Nichtverlängerung der Lizenz führen, selbst wenn der Verein selbst dies wünscht.

Neues wirtschaftsmodell: eine gerechtere verteilung der einnahmen

Neues wirtschaftsmodell: eine gerechtere verteilung der einnahmen

Ein zentraler Punkt der heutigen Beratungen ist die Präsentation eines neuen Wirtschaftssystems, das eine gerechtere Verteilung der Einnahmen vorsieht. Unter der bisherigen Regelung flossen die Gelder hauptsächlich aus den Fernsehrechten. Dank der geschickten Arbeit von Chus Bueno, der erst vor zweieinhalb Monaten sein Amt übernommen hat, konnten in Rekordzeit neue Einnahmequellen erschlossen werden. Das Ergebnis: Ein deutlich größerer Kuchen für alle teilnehmenden Klubs.

Konferenzsystem oder liga aller gegen alle? eine zerreißprobe für die euroliga

Konferenzsystem oder liga aller gegen alle? eine zerreißprobe für die euroliga

Die 20 Klubs – darunter 13 mit Lizenz A (Efes, Baskonia, Barça, Fenerbahçe, Maccabi, Mailand, Olympiakos, Panathinaikos, Real Madrid, ASVEL, Bayern, Zalgiris und CSKA, letzterer mit suspendierter Lizenz) – stehen vor einer entscheidenden Frage: Soll die bewährte Liga aller gegen alle mit 20 Teams beibehalten werden, oder wird die Liga in zwei Konferenzen aufgeteilt, wobei die Anzahl der Teams auf 22 erhöht wird? Die Entscheidung ist alles andere als einfach, denn ein Wechsel zum Konferenzsystem würde die Anzahl der Spiele um 25 bis 30 Prozent reduzieren – mit potenziell negativen Auswirkungen auf die Fernsehrechte, Ticketverkäufe und Sponsoringeinnahmen. “Wir haben den Einfluss des Formats mit 20 Teams auf die Reisekosten und die vielen Doppelspieltage analysiert”, so Chus Bueno. “Ein Wechsel zu zwei Konferenzen wäre nur sinnvoll, wenn wir mindestens 22 Teams hätten, da wir sonst Gefahr laufen, das Produkt zu verwässern.”

Franchise-modell und expansion: die zukunft hat bereits begonnen

Franchise-modell und expansion: die zukunft hat bereits begonnen

Neben den wirtschaftlichen und strukturellen Fragen wird die Euroliga die Klubs auch über die Schritte zur Umwandlung in Franchises ab der Saison 2027/28 informieren. Auch die mögliche Expansion der Liga steht auf der Tagesordnung. Teams wie PAOK und Besiktas haben bereits Interesse bekundet, während andere Klubs, die noch keine Lizenz A besitzen, wie Dubai, Valencia oder Hapoel Tel Aviv, ebenfalls in den Ring werfen möchten. Der europäische Basketball steht vor einem Umbruch, und die Entscheidungen, die heute in Barcelona getroffen werden, werden die Liga für die kommenden Jahre prägen. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, ein Balanceakt zwischen Tradition und Innovation, der den europäischen Basketball auf eine neue Stufe heben könnte – oder ihn in seinen Grundfesten erschüttern.