Euroleague kippt nba-boykott: 2,5 milliarden und ein spanier lüften den atlantik

Chus Bueno räumt den Scherbenhaufen seines Vorgängers weg. Noch vor zwölf Monaten schmetterte Paulius Motiejunas jeden NBA-Annäherungsversuch ab, nun verkündet die EuroLeague auf ihrer Webseite „konstruktive Gespräche“ mit der US-Liga – und beschließt parallel eine Kapitalerhöhung von 2,5 Milliarden Euro. Die Botschaft: Der Atlantik wird kleiner, der Basketball größer.

Der mann aus der nba-zentrale wird zum brückenbauer

Bueno ist kein Zufall. 14 Jahre leitete er die NBA-Geschäfte für Europa, Nahost und Afrika, kennt die internen KPIs der Warriors ebenso gut wie die TV-Rechtepreise in Zypern. Als Motiejunas‘ Kopf fiel – offiziell „einvernehmlich“, intern lauten die Kritikpunkte: mangelnde Kommerzialisierung, vertane Digitalmilliarden –, schoben die A-Lizenz-Inhaber den 49-jährigen Spanier nach vorn. Seit Januar sitzt er im Chefsessel, seit Dienstagabend steht fest: Er wird die Blockadehaltung gegen die NBA beerdigen.

Die Zahlen sprechen für sich. 2,5 Milliarden Euro wollen die 11 Kerninvestoren in den nächsten fünf Jahren auftreiben – umgerechnet 227 Millionen pro Klub. Ein Großteil fließt in Arenen, die in Belgrad oder Vitoria noch immer nach Hallenbad riechen. Der Rest? Technologie, Data-Analytics, Gaming-Rechte – und eben jene NBA-Partnerschaft, die Motiejunas noch als „Kulturimperialismus“ diffamierte.

Roter stern und partizan erhalten mehr macht, aber keine garantie

Roter stern und partizan erhalten mehr macht, aber keine garantie

Die B-Lizenz-Clubs jubeln vorsichtig. Das Board einigte sich darauf, die Zahl der garantierten Startplätze von 10 auf 13 zu erhöhen – ein Seitenhieb gegen die serbischen Schwergewichte Roter Stern und Partizan, die seit Jahren zwischen Gruppenphase und Nichtstagung pendeln. Mehr Geld gibt’s trotzdem: Die neue Verteilformel sichert B-Lizenz-Inhabern 18 Prozent der TV-Pool-Erlöse, bisher waren es 12. Doch die ChampionsLeague-Modelle bleiben verboten. Wer nicht in die Regular Season einzieht, darf trotzdem träumen – aber eben nur träumen.

Die NBA reagiert kühl. „Wir begrüßen konstruktive Dialoge“, heißt es aus der 645 Fifth Avenue, mehr wollte man gestern nicht abliefern. Intern aber laufen bereits Szenarien: Ein Summer-League-Turnier in München oder Berlin, gemeinsame Youth-Camps, ein Streaming-Paket, das Spiele beider Ligen in einer App bündelt. Adam Silver hatte Bueno 2019 sein letztes NBA-Jahresgehalt ausgezahlt – Vertrauensbasis ist vorhanden.

Der krieg im mittleren osten zwingt zur eile

Zeit ist ein Luxus, den sich die EuroLeague nicht leisten kann. Drei Spiele der laufenden Saison mussten wegen der Iran-Spannungen verlegt werden, darunter das Topspiel Maccabi Tel Aviv gegen Real Madrid. TV-Partner ESPN drohen Strafzahlungen, Sponsoren schalten Kameras ab. Die 2,5 Milliarden sollen auch ein Auffangnetz sein für Krisen, die kein Basketball verursacht, aber zu tragen hat.

Am Ende bleibt eine ironische Wende: Der Litauer Motiejunas wollte die EuroLeague „europäischer“ machen und scheiterte. Der Spanier Bueno holt nun die NBA zurück – und macht die Liga endlich global. Die Aktionäre jubeln, die Fans zählen Tage bis zur ersten Brooklyn-Netz vs. Barcelona-Begegnung. Und Bueno? Der fliegt nächste Woche nach New York. Economy Plus, Platz 1A – direkt neben Adam Silver.