Essen: stadionausbau explodiert – fans zahlen die zeche?
Essen – Die Rechnung für das RWE-Stadion an der Hafenstraße schmerzt. Der Stadtrat hat gestern Abend die zusätzlichen Kosten von 6,8 Millionen Euro beschlossen, was die Gesamtkosten auf fast 34 Millionen Euro treibt – ein Anstieg von fast sieben Millionen Euro gegenüber der ursprünglichen Planung. Ein Paukenschlag für die Fans und eine Zerreißprobe für die Stadtkasse.

Warum wird es so teuer?
Die Stadt begründet die Kostenexplosion unter anderem mit den drastisch gestiegenen Preisen für Baumaterialien wie Stahl und Zement. Ein Teufelskreis, der viele Bauprojekte in Deutschland belastet. Aber ist das die alleinige Ursache? Kritiker bemängeln, dass die Planung von Anfang an zu optimistisch war und Risikofaktoren nicht ausreichend berücksichtigt wurden.
Mit dem Ausbau sollen die vier Ecken des Stadions geschlossen werden, was rund 6.000 zusätzlichen Fans Platz bietet. Eine erfreuliche Nachricht für Rot-Weiss Essen, der Verein, der aktuell in der Drittklassigkeit kickt und den Aufstieg in die 2. Bundesliga knapp verpasst hat. Doch zu welchem Preis?
Geplante Erweiterungen umfassen auch zusätzliche Fahrradstellplätze und ein neues Catering-Konzept. Details dazu sollen am morgigen Mittag von Verein und Oberbürgermeister Thomas Kufen bekannt gegeben werden. Der Baustart, der eigentlich zu Beginn des Jahres erfolgen sollte, verzögert sich nun erheblich. Die Baugenehmigung liegt noch nicht vor und eine erneute Abstimmung im Stadtrat ist erforderlich. Frühestens im Herbst soll es losgehen, die Fertigstellung ist für zwei Jahre später angesetzt.
Die Opposition schlägt Alarm. Grünen-Sprecher Stephan Neumann sieht eine gefährliche Entwicklung: „Wenn dann die Pachtzahlungen so gering sind, dass die Stadt jährlich Millionen zuschießen muss, um die Betriebskosten zu decken, ist das ein Fass ohne Boden.“ Er fordert eine klare vertragliche Zusage des Vereins, bei einem Aufstieg in die 2. Liga eine Pacht zu zahlen, die die Betriebskosten deckt. Die aktuelle Pacht ist noch nicht öffentlich bekannt.
Die Frage, die sich nun stellt, ist: Kann Rot-Weiss Essen mit sportlichem Erfolg die enormen Investitionen rechtfertigen? Oder wird der Ausbau des Stadions zu einer teuren Last für die Essener Steuerzahler? Die Antwort wird sich in den kommenden Monaten und Jahren zeigen – und hängt maßgeblich vom Erfolg des Teams auf dem Platz ab.
