Enrique schlägt zurück: psg zerlegt chelsea – dugarry wettert trotzdem
Parc des Princes, 90 Minuten nach Abpfiff: Luis Enrique stapft mit geradem Rücken in die Mixed Zone, das Kinn leicht gereckt, als wäre nichts gewesen. Davor hatte sein Paris Saint-Germain Chelsea mit 5:2 demoliert, die Statistiker rechneten die höchste Hinspiel-Auswärtspleite der Blues in der Königsklasse seit 2012 aus. Die Franzosen jubeln, die Engländer suchen ihre Köpfe – und ein TV-Expert lässt die Korken knallen.
Dugarry zündet die nächste stufe
Christophe Dugarry, 53, Welt- und Europameister, heute Analyst bei RMC Sport, wartet nicht lange. „Er liebt das“, sagt er und meint damit nicht das 5:2, sondern Enrique selbst. „Gestern kam er zur Pressekonferenz und stolzierte herum, weil er mit allem recht hatte.“ Der Vorwurf: Ego statt Demut. Dugarry schiebt nach: „Er hat das Recht, ein großes Ego zu haben. Jeder Schachzug, den er versucht hat, hat funktioniert.“ Klingt wie Schulterschluss, ist aber pure Provokation – das Geschäftsmodell des Franzosen.
Für Enrique ist der Abend ein Befreiungsschlag. Nach dem 0:0 gegen Monaco und dem 1:1 in Lille hatte die Pariser Presse sein 4-3-3 mit versteckter Neuner-Idee als „Kunststück ohne Nutzen“ verrissen. Jetzt sind es fünf Tore, vier verschiedene Torschützen, 21 Abschlüsse. Die Zahlen sprechen lauter als Dugarrys Mikrofon.

Der balljunge, der flog
Neven Subotić, ehemaliger Dortmunder, twitterte während der Partie ein GIF – ein Kind, das Luftgitarre spielt. Gemeint war der 14-jährige Balljunge, der in der 78. Minute mit einer Schwalbe die Ränge zum Kochen brachte. Chelsea-Profi Pedro Neto lachte bitter: „Ich dachte, ich bin im Theater.“ Der Schiedsrichter pfiff nicht, der VAR blieb stumm. Regelwerk? Keine klare Handlung, keine nachträgliche Strafe. Kurioser Nebenschauplatz, der die Debatte um Fairplay wieder öffnet.
Enrique selbst blieb auch danach cool. Statt sich in TV-Studios zu rechtfertigen, zog er seine Spieler in den Kreis, ließ die Musik laufen – interne Quellen sprechen von einer 90-Sekunden-Ansprache: „Wir haben noch nichts erreicht, aber wir haben bewiesen, dass wir in der Lage sind, die Champions League zu rocken.“ Kein Wort über Taktik, viel über Mentalität.

Rückspiel in drei wochen
Stamford Bridge wird am 11. März kochen. Chelsea muss mindestens 3:0 gewinnen, um die Verlängerung zu erzwingen. Die Buchmacher sehen PSG bei 1,35, Chelsea bei 7,50 – ein Wert, der selbst im wilden Wettkapitalismus als Votum für die Franzosen gilt. Doch der Trainer warnt: „Wir reisen nicht als Touristen, wir reisen als Jäger.“
Für Klaus Schäfer, Sportwelt Pelkum, bleibt die Erkenntnis des Abends: Fußball ist kein Beweisverfahren, sondern eine Achterbahn. Wer oben sitzt, sollte sich nicht festhalten – der nächste Looping kommt garantiert. Und Enrique? Der wird weiterstolzieren, solange die Tore fallen. Denn am Ende zählt nur das Netz, das zittert – nicht das Ego, das poltert.
