Emma weiß: die ein-frau-nationalmannschaft und ihr kampf um anerkennung

Die Skiakrobatin Emma Weiß steht vor einer außergewöhnlichen Herausforderung: Sie ist die einzige Athletin in Deutschland, die diese anspruchsvolle Disziplin professionell betreibt. Ihre Erfolge sind beeindruckend, doch der Weg zum internationalen Top-Niveau ist gepflastert mit Eigeninitiative und finanziellen Engpässen. Ein Blick auf ihre Geschichte in der neuesten Folge von ‘Sportschau F’.

Der absprung ins ungewisse: emma weiß’ faszination für die aerials

Wenn Emma Weiß abhebt, dann hält man den Atem an. Die 26-Jährige katapultiert sich auf Schanzen bis zu 15 Meter in die Luft, vollendet Salti und Schrauben und landet mit unglaublicher Präzision. „Wenn ich den Absprung gut erwische und ich merke, dass es ein wirklich guter Sprung wird, dann kommt es dem Gefühl des Fliegens sehr, sehr nah“, beschreibt sie das unvergleichliche Gefühl. Ihre Leistung bei den Olympischen Winterspielen in Mailand/Cortina D’Ampezzo, wo sie mit 75,28 Punkten Rang zwölf erreichte und bei ihrer zweiten Teilnahme im Finale als einzige Europäerin stand, beweist ihr außergewöhnliches Talent.

Doch hinter der sportlichen Brillanz verbirgt sich eine Realität, die viele nicht kennen: Emma Weiß bildet eine Ein-Frau-Nationalmannschaft. Sie muss sich ihre Strukturen selbst schaffen und kämpft um finanzielle Unterstützung. Der Deutsche Skiverband leistet keine finanzielle Hilfe, während die Sporthilfe sie unterstützt. Eine Saison kostet rund 70.000 Euro – ein Minusgeschäft, das die junge Athletin stemmen muss.

Selbstorganisation und die last der verantwortung

Selbstorganisation und die last der verantwortung

Emma Weiß kümmert sich um Sponsorenakquise, Trainingslager, Organisation, Reiseplanung und Flüge – Aufgaben, die normalerweise ein Team übernehmen würde. „Das ist Zeit und auch Energie, die fehlt im Training. Da, wo sie eigentlich investiert werden sollte“, erklärt sie. Sie wohnt im Haus ihrer Eltern und wird von ihrem Vater Armin trainiert, einem ehemaligen Ski-Ballett-Teilnehmer der Olympischen Winterspiele 1992 in Albertville. Das Training findet teilweise im Ballettsaal statt, wo sie mit Hilfe eines Bungeeseils an ihren Sprüngen feilt.

Die Angst vor dem Scheitern ist allgegenwärtig, doch Emma Weiß hat gelernt, sie in Respekt umzuwandeln. „Bei neuen Sprüngen, neuen Anlagen oder wenn das Wetter schlecht ist, da klopft das Herz, keine Frage“, gibt sie zu. Ein Schlüsselerlebnis war eine Oberarmspiralfraktur vor einigen Jahren, die sie trotz eines unguten Bauchgefühls sprang. Dieser Fehler hat ihr gezeigt, wie wichtig es ist, auf ihre Intuition zu hören.

Ihr Glaube spielt eine zentrale Rolle in ihrem Leben. Nach einer Gottesbegegnung vor zwei Jahren hat sich ihr Leben grundlegend gewandelt. Die Bibel ist ihr ständiger Begleiter, und sie sieht die sportliche Bühne als Chance, über ihren Glauben zu sprechen. „Ich wünsche mir, dass jeder Mensch auf dieser Erde das mal erleben darf.“

Die Geschichte von Emma Weiß ist ein Appell an den deutschen Sport: Talent braucht Förderung, und der Kampfgeist einer Ein-Frau-Nationalmannschaft verdient Anerkennung – nicht erst, wenn sie am Abgrund steht, sondern jetzt.