Embolo allein reicht nicht: schweiz sucht den knipser für die wm

3:3 gegen Deutschland – drei Tore, drei verschiedene Torschützen, und trotzdem nagt an der Nati das gleiche alte Problem: Wer trifmt, wenn Breel Embolo mal nicht trifft? Murat Yakin hat sieben Plätze frei, aber keine Antwort.

Ein tor rettet noch keine wm

Joel Monteiro stach gegen die DFB-Elf mit dem Ausgleich heraus. Ein Moment, der wie ein Hollywood-Trailer wirkt: Young-Boy dribbelt, Keeper fliegt, Netz zappelt. Doch der 26-Jährige weiß, dass ein einzelnes Highlight gegen Norwegen nötig ist, um aus dem Trailer einen Blockbuster zu machen. Denn die Konkurrenz schläft nicht – sie laboriert. Zeki Amdouni pumpt nach seinem Kreuzband-Drama noch seine Bewegungsradius hoch, Alessandro Vogt lahmt mit Syndesmoseschaden. Wer fit ist, hat Karten. Wer trifft, hat Asse.

Noah Okafor kam nachnominiert, aber nicht zum Einsatz. Die Botschaft: Deine Premier-League-Minuten für Leeds zählen, doch sie garantieren dir kein Ticket. Denn Yakin will keine Notlösung, sondern eine Lösung mit X-Faktor. Und genau hier setzt Fabian Rieder an. Der Augsburger kann rechts, links, durch die Mitte – und plötzlich auch als falscher Neuner. Ein Chamäleon, das dem Trainer den Luxus der Mehrfachbelastung verschafft, ohne den Kader zu sprengen.

Die flügel sind besetzt, die mitte ein puzzle

Die flügel sind besetzt, die mitte ein puzzle

Ruben Vargas und Dan Ndoye haben ihre Startplätze so gut wie sicher. 59 Länderspiele (Vargas) plus Tempo-Drechseln, die selbst Joshua Kimmich ins Schwitzen brachten, lassen Yakin keine Alternative. Die Frage ist nur: Wer rückt in die Zentrale, wenn Embolo nach einem Sprint die Hüfte halten muss? Amdounis Comeback-Datum ist der 10. Mai, Vogts voraussichtlich der 15. Mai. Die WM-Liste muss am 19. Mai fix sein. Zeit ist ein Gegner, der keine Gelbe kassiert.

Kwadwo Duah schießt in Bulgarien weiterhin im Zweitakt: zehn Tore in 17 Spielen. Doch Ludogorets ist kein Schaukasten, sondern ein Schaukelschiff. Cedric Itten läuft in der 2. Bundesliga auf, doch Fortuna Düsseldorf ist kein Sprungbrett, sondern ein Sicherheitsnetz. Die Tabelle lügt nicht: Zweite Liga, zweite Wahl. Und Filip Stojilkovic? Der Pisa-Neue wartet in der Serie A auf seinen ersten Treffer – und wartet damit auch auf seine erste ernsthafte Nati-Chance. Es ist das klassische Dilemma: Tore in Topligen zählen doppelt, aber nur, wenn sie fallen.

Yakins letzter strohhalm heißt formkurve

Yakins letzter strohhalm heißt formkurve

Monteiro, Imeri, Zeqiri – drei Namen, drei unterschiedliche Formeln. Monteiro kann flexibel, Imeri kann flanken, Zeqiri kann … derzeit kaum. Die Zahlen sind gnadenlos: drei Tore in 22 Partien. So sieht kein WM-Briefing aus, sondern ein Abgesang. Christian Fassnacht wiederum liefert 15 Liga-Tore plus sieben Vorlagen – und bleib trotzdem Außenseiter, weil Alter 32 ist und Yakin sich nach dem EM-Debakel 2024 verjüngen will. Die Logik: Jung, schneller, zukunftsfähig. Die Realität: Tore sind Tore, egal ob 19 oder 32.

Am 31. Mai testet die Schweiz gegen Jordanien. Kein Gegner, der Angst einjagt, aber ein Test, der Antworten liefert. Wer trifmt, fliegt mit. Wer schwächelt, fliegt raus – oder bleibt zuhause. Die WM rückt näher, die Tore nicht. Und während Embolo in Rennes weiter trifft, fragt sich die ganze Nation: Wer trifft, wenn er mal nicht trifft? Die Antwort entscheidet, ob die Schweiz im Sommer jubelt – oder wieder nur dribbelt.