Eiskunstlauf-legende sonja henie: vom 'häseken' zur hollywood-diva
Vor 114 Jahren erblickte die Welt eine Athletin, deren Name untrennbar mit Glanz, Eleganz und unangefochtenem Können verbunden ist: Sonja Henie. Ihre Erfolge im Eiskunstlauf sind bis heute unübertroffen, doch hinter der strahlenden Fassade verbarg sich eine komplexe Persönlichkeit, deren Leben von Triumph, Kontroversen und dem unerbittlichen Streben nach Erfolg geprägt war.
Die frühen jahre: vom bahnrad-weltmeister zum eiskunstlauf-wunderkind
Die Geschichte von Sonja Henie beginnt in Oslo, Norwegen, am 8. April 1912. Ihr Vater, Wilhelm Henie, war selbst ein Sportler von Rang – Bahnrad-Weltmeister und erfolgreicher Eisschnellläufer. Es ist wenig überraschend, dass die junge Sonja frühzeitig dessen sportliches Talent erbte und sich dem Eiskunstlauf verschrieb. Bereits als Elfjährige wagte sie 1924 ihr Debüt bei den Olympischen Spielen in Chamonix, ein Wettkampf, der, wie sich herausstellen sollte, nur der Auftakt einer außergewöhnlichen Karriere war.
Anekdoten aus dieser Zeit zeugen von der ungestümen Energie der jungen Athletin. Überliefert ist, dass sie während der Kür den Faden verlor und Rat von ihrem Trainer benötigte, ebenso wie der ungeschickte Sturz, der ihr den despektierlichen Spitznamen „Fräulein Hoppla“ einbrachte. In Berlin wurde sie fortan als „Häseken“ bezeichnet, ein Name, der von einem Auftritt im Sportpalast herrührte, bei dem sie eine Hasenpfote als Glücksbringer trug.

Dominanz auf dem eis: drei olympiasiege und ein unschlagbares vermächtnis
Doch das junge Talent entwickelte sich rasch zu einer unaufhaltsamen Kraft. Nach einer Silbermedaille bei den Weltmeisterschaften 1926 dominierte Henie die Eiskunstlaufszene in den folgenden Jahren. Ihre Siege bei den Olympischen Spielen 1928 in St. Moritz, 1932 in Lake Placid und 1936 in Garmisch-Partenkirchen festigten ihren Status als Legende. Besonders der Triumph in Garmisch-Partenkirchen, vor 90 Jahren, machte sie zur ersten Eiskunstläuferin, die drei olympische Goldmedaillen in der Damenkonkurrenz gewann.
Die Nähe, die Henie zum NS-Regime in Deutschland pflegte, insbesondere während der Olympischen Spiele 1936, bleibt bis heute ein kontroverses Kapitel ihrer Geschichte. Einladung zum Essen auf den Berghof und ein signiertes Foto von Hitler – Aktionen, die ihr von vielen Norwegern bis weit nach dem Krieg Übel nahmen.

Von der eiskönigin zur hollywood-diva: ein geschäftsgeschick, das beeindruckt
Doch Henies Ambitionen reichten über den sportlichen Erfolg hinaus. Nur wenige Monate nach ihrem Olympiasieg in Garmisch wechselte sie in die Welt des Films und unterschrieb einen hochdotierten Vertrag bei 20th Century Fox. Mit einem Gehalt von 125.000 Dollar wurde sie zu einer der bestbezahlten Schauspielerinnen Hollywoods.
Henie bestand auf der Nennung ihres Namens über dem Titel ihres ersten Films, „One in a Million“, und behielt stets die Kontrolle über die Eislaufnummern. Ihr Erfolg in Hollywood war immens: Zwischen 1937 und 1948 entstanden zwölf erfolgreiche Eisrevue-Filme, die sie selbst choreografierte und in denen sie die Hauptrolle spielte. Sie revolutionierte nicht nur den Eiskunstlauf mit ihrem Stil, sondern bewies auch ein bemerkenswertes Geschäftsgeschick, indem sie frühzeitig finanzielle Vorteile aus ihrem Talent zog.
Ihr Leben war geprägt von intensiven Beziehungen, Affären mit Jack Dunn, Stewart Reburn, Joe Louis, Tyrone Power und Van Johnson. Die Biografie „Queen of Ice, Queen of Shadows“ warf ein Schlaglicht auf ihre vermeintliche Besessenheit von Geld und Sex – ein Bild, das jedoch durch differenzierte Analysen relativiert wurde.
Sonja Henies Leben endete am 12. Oktober 1969 in einem Flugzeug, auf dem Weg in ihre norwegische Heimat, während einer Reise nach Paris. Sie starb im Alter von nur 57 Jahren an Leukämie, eine tragische Beendung einer außergewöhnlichen Karriere. Ihr Vermächtnis lebt fort – nicht nur in den Titeln und Medaillen, sondern auch als Symbol für sportlichen Ehrgeiz, Glamour und die Komplexität einer Frau, die ihrer Zeit weit voraus war.
