Eisbären schubsen haie ans abgrund – berlin siegt 5:2 und kann montag die serie packen

14.200 Zuschauer in der Arena am Ostbahnhof, ein gellendes „Wir steigen auf!“-Gegröle und die Kölner Haie, die mit hängenden Köpfen in der Kabine verschwinden: Das 2:5 in Spiel fünf war keine Niederlage, sondern ein Warnschuss. Jetzt steht Köln im DEL-Halbfinal mit dem Rücken zur Bande. Verliert die Mannschaft von Cheftrainer Markus Keller am Montag (19.30 Uhr, Lanxess Arena) erneut, ist die Saison vorbei. Die Eisbären dagegen dürfen bereits am heimischen Esstisch die Flugtickets nach Mannheim offenlegen – dort wartet das Finale.

Smith und wiederer versetzen haie binnen 120 sekunden einen doppel-schock

Die Haie begannen druckvoll, dominierten die Gästezone, doch sie vergaben. Und wer im Play-off nicht trifft, kassiert. Adam Smith (25.) nutzte den ersten Konter, schlenzte vom hohen Slot an den Innenpfosten. Kurz darauf lag Köln erneut in Unterzahl – und Manuel Wiederer riss das Spiel mit einem Rückhandlupfer in die Bahn der Berliner. Zwei Gegentore, ein Drittel noch nicht vorbei. Moritz Müller sprach später von „Geschenken“, gemeint war vor allem diese Phase.

Gregor MacLeod verkürzte zwar noch vor der zweiten Pause, doch die Killer-Instinkt-Frage blieb offen. Köln war bemüht, nicht rücksichtslos. Die Scheibe rollte zu oft quer statt scharf nach vorne. Und Janne Juvonen? Der Finnische Nationalkeeper hielt das Team zunächst mit Glanzparaden, kassierte aber spät den K.-o. durch Jonas Müller, der wie ein Slapstick-Fahnder ums Tor herumkurvte und aus spitzem Winkel traf.

Empty-net-tore besiegeln kölner drama – adler warten bereits

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Die 54. Minute brachte Hoffnung: MacLeod nutzte einen Face-off-Abpraller, Stettmer rutschte der Puck durch die Fanghand. Die Arena bebte kurz, doch die Aufholjagd war nur ein Strohfeuer. Trainer Keller nahm Juvonen bei Spielunterbrechung vom Eis – und Liam Kirk schoss 200 Meter davon ins leere Gehäuse. Marcel Noebels legte 60 Sekunden später nach. 5:2 – Berlin jubelt, Köln gräbt sich durch die Kabinengang-Tunnel.

Während die Eisbären bereits von „einem Schritt vor dem Traum“ sprechen, müssen die Haie nur eines tun: gewinnen. „Wir haben keine Alternative“, sagte Kapitän Müller und klang dabei, als hätte er diese Worte schon einmal in dieser Saison gesprochen. Die Statistik gibt ihm recht: Nur zweimal in der DEL-Geschichte kam ein Team von 2:3 zurück und holte noch die Serie. Die letzte Mannschaft, die das schaffte: die Kölner Haie – 2002 gegen Berlin. Ironie der Geschichte.

Am Montag droht Köln das Aus, Berlin der Einzug ins Finale. Die Adler Mannheim haben bereits das Hotel in der Hauptregion reserviert – sie wollen zwei Dinge: den Meistertitel und einen Gegner. Ob es die Eisbären oder doch noch die Haie werden, entscheidet sich in 60 Minuten Eishockey, in dem für Köln plötzlich wieder 60 Minuten Saison stehen.