Eisbachtal zieht die notbremse: wörsdörfer und meuer springen trotz happy-end ab
Ein Punkt rettet sie vor dem Abstieg, zwei Trainer retten sich vor dem Burn-out. Die Sportfreunde Eisbachtal haben am Montagabend die Bombe platzen lassen: Thorsten Wörsdörfer und David Meuer verabschieden sich nach 30 Monaten, vier Aufstiegsspielen und einem fast schon verloren geglaubten Klassenerhalt in die Selbstständigkeit – und das, obwohl ihr Team gerade erst die Wolken über dem Weiherberg gelichtet hat.
Die Kalkulation der beiden ist gnadenlos ehrlich. Wer in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar nur auf Rettung wartet, wartet auf Dauer vergeblich. „Wir wollen nicht länger mit dem Rücken zur Wand stehen, sondern mit dem Blick nach vorne“, zitiert der Verein das Duo, das den Abstieg 2023 noch rückgängig machte und die Eisbären seither wie eine Start-up-Firma führte: erst stabilisieren, dann skalieren.
Daniel alves springt in das kalte wasser
Der Nachfolger steht schon, und er kommt nicht irgendwoher, sondern aus Dorndorf – Gruppenliga Hessen, Tabellenregion Mittelfeld, dafür aber mit Westerwälder DNA. Daniel Alves ist 41, war selbst Mittelstürmer in Eisbachtals Jugend, kennt die rauen Gemüsefelder rings um den Weiherberg genauso gut wie die vertrackte Mentalität des Vereins, in dem schon ein 0:4 zum 4:4 werden kann, wenn der Gegner nur lange genug mitspielt.
Am Mittwochabend stellt sich Alves der Mannschaft vor – zwischen Kreisliga-Absteigern und Oberliga-Aufsteigern, zwischen Frust und Euphorie. Die Spieler werden einen Mann sehen, der zwar keine Bundesliga-Vita vorweisen kann, dafür aber eine klare Marschroute: Ballbesitzfußball, hohe Laufintensität, junge Spieler fördern. Klingt nach Klischee, ist in der Oberliga aber ein Fortschritt. Dort dominiert noch immer der lange Ball, der Wind und der Schiedsrichter.
Patrick Reifenscheidt, sportlicher Leiter und ehemaliger Regionalliga-Torjäger, schwärmt bereits vom „neuen Kapitel“, obwohl das alte noch nicht zu Ende geschrieben ist. Noch vier Spiele, noch vier Endspiele, noch vier Mal Herzrasen. Dann wird ausgerechnet jener Trainer gehen, der die Eisbären vor dem Absturz bewahrte. Ironie des Fußballs: Wer rettet, darf nicht bleiben.

Die zahlen, die wörsdörfer und meuer retten
Seit Januar holte das Duo 12 Punkte aus vier Spielen – mehr als in den 18 Partien davor zusammen. Die Tore fielen im Schnitt nach 67 Minuten, die Gegentore nach 81. Die Mannschaft tritt nun so auf, als hätte sie die Anleitung endlich verstanden. Doch hinter den Kulissen wuchsen die Aufgaben, die Budgets, die Erwartungen. „Wir haben gemerkt, dass wir mit uns selbst ins Gericht gehen müssen“, lautet die einzige Erklärung, die Wörsdörfer und Meuer abgeben. Mehr steckt nicht dahinter – und das ist auch gut so.
Denn der Oberliga-Alltag frisst Trainer. Er frisst Familien, Nerven, Wochenenden. Wer hier nicht mehr brennt, der brennt aus. Die Entscheidung ist keine Flucht, sondern eine Bruchlandung mit Fallschirm. Der Verein dankt, die Fans applaudieren, die Spieler schlucken. Und Daniel Alves? Der bekommt ein Team, das gerade gelernt hat, wie man Siege zündet – und das nun einen neuen Zünder braucht.
Am 1. Juni endet das Kapitel Wörsdörfer/Meuer. Am 2. Juni beginnt die Zukunft Alves. Dazwischen liegt nur ein Punkt – und der entscheidet, ob die Eisbären im Sommer aufsteigen oder absteigen. Der Sport ist kein Ponyhof, sagt man im Westerwald. Er ist ein Vulkan. Und der spuckt gerade frisches Feuer aus.
