Eintracht stolpert sich selbst zutode – riera sieht nur noch platz 7

0:0 in Hamburg, null Torgefahr, null Torschüsse aus dem Strafraum: Eintracht Frankfurt hat sich am Millerntor selbst gelähmt. Was als Frühlingserwachen in Richtung Europa League gedacht war, endete als kalte Dusche. Die Mannschaft von Trainer Albert Riera kratzte sich 95 Minuten lang an der St.-Pauli-Mauer die Köpfe blutig – und verpasst damit die letzte Zugangsmöglichkeit zu den internationalen Plätzen.

Die offensive ist ein selbstbedienungsladen ohne ware

Jonathan Burkardt, Jean-Matteo Bahoya und selbst der eigentlich als Turbo angekaufte Nathaniel Brown bewegten sich wie durch Zuckerwatte. Keine Lücke, keine Tempoverschärfung, keine Idee. Stattdessen querpassen, querpassen, querpassen – bis selbst die Gästeblock-Chöre verstummten. Der einzige Aufreger: ein abgefälschter Freistoß, den St.-Pauli-Keeper Ben Vollmers mit den Fingerspitzen um den Pfosten drehte. Das war’s. Mehr Kreativität findet man an einem Montagmorgen im Büro von HR-Fußball.

Die Statistik ist gnadenlos: 63 Prozent Ballbesitz, 0,6 Expected Goals. Ein Wert, der selbst in der dritten Liga als Armutszeugnis gilt. Riera sprach nach Abpfiff von „Kontrolle“, doch Kontrolle ohne Durchbruch ist nur Besitz ohne Sinn. Wer so spielt, darf sich nicht wundern, wenn die Konkurrenzen aus Leverkusen, Freiburg oder Wolfsburg längst die Koffer für Europa gepackt haben.

Ritus doan ist abgeschrieben – und keiner fragt warum

Ritus doan ist abgeschrieben – und keiner fragt warum

Der japanische Nationalspieler saß 90 Minuten auf der Bank, wurde nicht eingewechselt und stapfte direkt in den Katakomben davon. Kein Handshake, kein Blickkontakt. Intern heißt es, Doan habe Trainingsleistung vermissen lassen. Doch die Zahlen sagen: Kein Eintracht-Produkt schoss in dieser Saison häufiger aufs Tor (2,8 je 90 Minuten). Statt ihn zu reaktivieren, baut Riera auf Bahoya, der seit drei Monaten ohne Tor und Assist ist. Das ist keine Rotation – das ist Rückwärtsgewandtheit.

Die Folge: Die einzige echte Spannung entstand, als ein Fanbanner „Riera = Raus?“ durch die Gästeblock-Reihen zog. Sicherheitspersonal eilte herbei, das Tuch verschwand. Die Stimmung kippt. Wer in Frankfurt derzeit den Rasen betritt, muss auch die Wogen bedienen. Der Trainer versprach „mehr Mut“ gegen Heidenheim. Die Fans hören das seit acht Spielen.

Die tabelle lügt nicht – und die saison wird ein 270-minuten-endspiel

Die tabelle lügt nicht – und die saison wird ein 270-minuten-endspiel

Platz 7, drei Punkte Rückstand auf Leverkusen, drei Spiele noch. Heidenheim, Mainz, Köln – alles Teams, die ebenfalls um Luft kämpfen. Die Saison wird zur Endlos-Qualifikation. Nur wer nun zweimal gewinnt, darf im Mai noch von Europa träumen. Die Realität: Frankfurt schoss in den letzten fünf Partien nur zwei Tore. Beide durch Abwehrspieler nach Standards.

Der Klub wird die Europa-League-Einnahmen von einst 30 Millionen Euro vermissen. Sportvorstand Markus Krösche hatte im Winter auf Nachjustierung verzichtet – vertraute auf Rieras „Prozess“. Dieser Prozess droht am 34. Spieltag im Freibad zu enden. Die Leihgebühren für Brown und Bahoya summieren sich auf acht Millionen. Für diesen Betrag hätte man einen echten Torjäger kaufen können. Stattdessen beten die Fans nun, dass Amenda und Co. hinten null halten. Denn vorne fällt offensichtlich nichts mehr.

Wer am Samstag in der Arena erwischt, hört das Grollen. Die Kurve skandiert „Köln und Mainz – beide kassieren!“ Es klingt wie ein letztes Aufbäumen. Denn wenn schon der Gegner nicht trifft, muss man selbst wenigstens einmal einschieben. Sonst bleibt am Ende nur Platz sieben – und eine Sommerpause, die länger wird als jede Europareise.