Eckert jagt arsenal-sensation: 50 jahre nach dem saints-märchen

Tonda Eckert hat schon Spiele analysiert, die ihm schlaflose Nächte bereiteten. Doch was ihn am Samstag erwartet, ist ein anderes Kaliber. Der 37-jährige Coach führt den FC Southampton als Tabellenzweiter der Championship gegen Arsenal – und träumt vom ersten Halbfinale seit 22 Jahren.

Die Zahlen sprechen für sich: 14 Partien ohne Niederlage, 11 Siege, drei Remis. Die letzte Pleite datiert vom 17. Januar. Seitdem verwandelte Eckert den abstiegsbedrohten Klub in einen Aufstiegskandidaten. „Wir haben gelernt, unter Druck zu gedeihen“, sagt er. Der Druck ist Programm: Arsenal ist Tabellenführer der Premier League, hat elf Nationalspieler geschont und trotzdem 70 Prozent Ballbesitz im Mittelwert.

Scouting-arbeit bis zur nacht

Eckert, früher Videoanalyst des DFB, schwärmt von der Analyse: „Das war das spannendste Team, das ich je vorbereitet habe.“ Er hat 18 Spiele der Gunners zerlegt, Laufwege modelliert, Standardsituationen gezeichnet. Sein Fazit: „Sie verlieren nie ihre DNA, egal, wer spielt.“ Die Frage ist nur, wer überhaupt spielt. Leonardo Scienza, der Relegationsheld von Heidenheim, trainiert wieder mit – ob er gegen Arsenal oder drei Tage später in Wrexham zum Einsatz kommt, entscheidet sich kurzfristig.

Die Personalie Scienza ist mehr als ein medizinisches Rätsel. Der 27-jährige offensive Mittelfeldspieler steht für den Spirit, mit dem Eckert die Saints zurück in die Spur gebracht hat: hohes Pressing, Umschalten auf engstem Raum, gnadenlose Chancenverwertung. Ohne ihn fehlt die letzte Durchschlagskraft. Mit ihm könnte Southampton erneut das St. Mary's Stadium in eine Falle verwandeln – wie 2018 beim 1:0 gegen Arsenal im Halbfinale.

50 Jahre nach wembley-sensation

50 Jahre nach wembley-sensation

Die Historie lastet schwer. 1976 besiegten die Saints in Wembley Manchester United 1:0 – bis heute der einzige große Titel des Klubs. 2003 stand man wieder im Endspiel, wieder gegen Arsenal, wieder mit 0:1 am Ende. Eckert will kein historisches Dokument zitieren, sondern eine neue Seite schreiben. „Wir haben Resilienz entwickelt“, sagt er. „Das ist kein Schlagwort, sondern gelebte Realität.“

Realität ist auch: Drei Tage nach dem Cup-Kracher geht es in der Championship gegen Wrexham um Platz zwei. Eckert rotiert, das weiß jeder. Aber wer wagt sich gegen Arsenal mit B-Elf? Die Antwort liegt in der DNA des Trainers. Er will beides: das Halbfinale und den direkten Wiederaufstieg. Die Statistik gibt ihm recht: Kein Zweitligist schaffte seit 2012 das FA-Cup-Halbfinale – und stieg in derselben Saison direkt auf.

Die Uhr tickt. Um 21 Uhr ertönt der You'll Never Walk Alone-Cover-Song der Saints-Fans, 31.000 Stimmen gegen das Premier-League-Monstrum. Eckert steht an der Seitenlinie, iPad in der Hand, Blick klar. 50 Jahre nach dem größten Tag der Klubgeschichte könnte der nächste folgen – mit einem Deutschen an der Seitenlinie, der die Premier-League-Logik auf den Kopf stellen will.