Ecclestone schlägt alarm: „die formel 1 verliert ihre seele“

Bernie Ecclestone sitzt in seinem Londoner Büro, zündet sich eine der unzähligen Rothmans an und schlägt mit flacher Hand auf den Tisch. „Die haben’s vermasselt“, knurrt der 95-Jährige. Gemeint ist die FIA, gemeint ist das 2026er-Reglement, das laut dem ehemaligen Formel-1-Zar die Königsklasse in eine „elektrische Glitzershow“ verwandelt.

Die neue Technik-Bibel sieht 50 % elektrische Leistung vor, ein Megawatt-Hybrid-System und ein Energy-Management, bei dem die Piloten mehr Zeit mit Batterie-Monitoring als mit Überholmanövern verbringen. „Das ist kein Rennen mehr, das ist ein Ingenieurstreffen auf 320 km/h“, so Ecclestone. Sein größter Albtraum: Die Formel 1 rutscht in die Schublade der Formel E – nur mit lauteren Motoren.

Verstappen lacht nicht mehr

Verstappen lacht nicht mehr

Max Verstappen schüttelt schon jetzt den Kopf. In Bahrain testete der Weltmeister, wie seine Red Bull RB22 plötzlich wie ein Smartphone mit 5 % Akku lahmt, wenn er den Boost zu früh zieht. „Für mich ist das einfach nicht Formel 1“, sagte der Niederländer und sprach von „Lotterie statt Racing“. Ecclestone nickt: „Wenn selbst Max die Luft anhält, wissen wir, dass der Sport krank ist.“

Stefano Domenicali dagegen wirbt für Geduld. Der Formel-1-CEO verspricht, dass nach drei Rennen „alle kritischen Stimmen verstummen“. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: laut FIA-internen Studien müssen Zuschauer künftig 23 neue Begriffe lernen – von „Batt-Override“ bis „Z-Mode“. Ecclestone lacht auf: „Früher kannte ein Fan die Startaufstellung auswendig, heute braucht er einen Master in Elektrotechnik.“

Die TV-Quoten vom Saisonauftakt in Melbourne werden der Weckruf. Sollten die Einschaltquoten um mehr als 12 % einbrechen – so die Klausel im milliardenschweren Sky-Vertrag –, droht eine automatische Preisreduktion von 180 Millionen Dollar. Ecclestone zieht an seiner Zigarette: „Geld verdirbt den Charakter. Und die Regeln verderben das Geschäft.“

Sein Appell an die Herren im Pariser Amt: Kehre zurück zur DNA des Sports. „Weniger Algorithmus, mehr Adrenalin.“ Ob die FIA zuhört? Zweifel sind erlaubt. Denn bereits für 2027 kursieren Pläne, die Elektro-Quote auf 60 % anzuheben. Ecclestone zuckt mit den Achseln: „Dann kann Mercedes ja direkt seinen C-Klasse-Hybrid einschicken. Der ist billiger und fährt auch 22 Runden Melbourne.“