Dzeko fliegt, schalke wankt: rot im topspiel wirft aufstiegsplan durcheinander
52. Minuten war gespielt, als plötzlich niemand mehr an der Arena denken konnte. Schalke führte 2:0 gegen Hannover, die Aufstiegsfest schien nur noch Formsache. Dann trat Dzeko zu – nicht den Ball, sondern Chakroun mitten in den Oberbauch. Ein Bild, das die Köpfe der 60.000 im Stadion schmerzhafter werden ließ als der Treffer selbst.
Die sekunde, die alles umwarf
Robin Braun zückt sofort Rot. Keine Diskussion, keine VAR-Einsicht. Dzeko, zuvor noch Matchwinner mit dem 1:0, schliddert mit hoch erhobenem Bein in den Gegenspieler. Die Intention war sauber, die Wirkung brutal. Schalke steht plötzlich mit zehn Mann da, Hannover rieht die Blutspur. Die Führung schmilzt innerhalb von acht Minuten dahin, am Ende steht ein 2:2, das sich wie eine Niederlage anfühlt.
Für den Stürmer war es die dritte Ampelkarte innerhalb von zwei Saisons – eine Serie, die den Verein teuer zu stehen kommt. Die Rückenprobleme, die ihn vor dem Spiel noch hatten zittern lassen, sind vergessen. Jetzt drohen mindestens drei Spiele Sperre, möglicherweise mehr, soll die Sportsgerichtsbarkeit die Tat als vorsätzlich einstufen. Schalke verliert damit nicht nur seinen besten Goalgetter, sondern auch den Spieler, der die Moral der Mannschaft trägt.

Die rechnung steht noch aus
Die Königsblauen hatten die Tabellenführung vor Augen, nun bangen sie um den Anschluss an die Aufstiegsränge. Die Zweitliga-Historie ist gnadenlos: Teams, die in der 30. Spielzeit einen Platzverweis kassieren, verlieren in 67 % der Fälle den direkten Vergleich. Die Statistik kennt kein Pardon. Für Trainer Kramer wird die Aufgabe, die Saison noch zu retten, zur Geduldsprobe. Er muss nun ohne seinen Anführer auskommen – und das in den kommenden Partien gegen Aufstiegskonkurrent Darmstadt sowie beim Krisenclub Rostock.
Am Bosporus schlagen die Uhren anders: Dort wartet die Leihe von Dzeko aus, soll der Vertrag nicht verlängert werden. Ein Wechsel im Sommer rückt näher, wenn Schalke die Wucht des Stürmers nicht mehr auf dem Platz, sondern nur noch auf der Bank spürt. Die Arena wird am Samstag wieder kochen, nur ohne ihren Liebling. Die Rote Karte war mehr als eine Disziplinarmaßnahme – sie war der Beginn einer möglichen Neuauflage des Abstiegsdramas von 2021. Und diesmal steht kein Wunder mehr auf dem Programm.
