Dusko vujosevic stirbt mit 67: partizan verliert seinen größten architekten

Mit 67 Jahren ist Dusko Vujosevic gestern in Belgrad gestorben. Der Montenegriner, der bis vor Kurzem trotz eines neuen Nierentransplantats noch die Bank von UBT Cluj ritt, erlag Herz- und Nierenversagen. Die Nachricht traf die europäische Basketballfamilie mitten ins Herz – und traf sie dort, wo sie am meisten zieht: bei Partizan Belgrad.

16 Jahre, 12 meister, eine dna

Vujosevic war kein Trainer, der einfach nur Jobs annahm. Er suchte sich Clubs, die er formen konnte, und formte sie so lange, bis sie seine Handschrift trugen. Bei Partizan blieb er vier Mal, weil kein anderer Verein seine Spielphilosophie so schluckbereit war: Vollcourt-Press, schnelle Umstellung, Tempo bis zur Erschöpfung. Die Fans nannten ihn Dule, und wenn sie das taten, klang es wie ein Gebet. 16 Saisons, 12 nationale Titel, fünf ABA-Ligen, fünb Pokale, ein Korac-Cup, zwei Final-Four-Auftritte – die Zahlen sind nur die Schale, der Kern ist ein Spielstil, der heute noch in jedem Nachwuchslehrplan Belgrads steht.

Es war diese Mischung aus taktischem Sadismus und Vaterkomplex, die Spieler in seine Schule trieb. Joffrey Lauvergne schrieb gestern auf X: „Er war mehr Coach, er war ein zweiter Vater.“ Boris Diaw postete ein Foto aus dem Jahr 2006, Partizan-Trikot, Arm um den Kopf, dazu drei Worte: „Repos en paix.“

Von titograd über granada bis belgrad

Von titograd über granada bis belgrad

Vor Partizan landete er 1991 bei Estrella Roja – den Erzrivalen. Die Ansetzung war ein Taktikum: nur ein Jahr, aber lang genug, um die Gegenseite zu studieren. Danach ging es kurz nach Spanien, zu Oximesa Granada, einem Klub, der heute nicht mehr existiert. Die Andalusier erinnern sich an einen Mann, der um fünf Uhr morgens Trainingspläne skizzierte und danach mit dem Equipment-Manager Kaffee kochte. „Er lebte Basketball, nichts sonst“, sagt Ex-Manager Pepe Rodriguez, der gestern Tränen in den Augen hatte.

Die Rückkehr nach Belgrad war keine Karriere, sondern eine Heimkehr. Vujosevic baute Partizan nicht nur zu einem Titelmaschinen um, er baute Identität. Die Crna Gora-Mentalität – hart, stolz, unbeirrbar – floss in jeden Fastbreak. Wer für ihn spielte, durfte nicht jammern. Wer jammern wollte, durfte nicht spielen.

Die letzten monate: clinic statt coaching

Die letzten monate: clinic statt coaching

Nach dem Nierentransplantat 2022 reduzierte er sich auf sporadische Beraterposten. In Cluj wollte er eigentlich nur eine Saison „Neustart“, doch die Körper ließ es nicht zu. Stattdessen hielt er Clinics für jugendliche Guards, erklärte ihnen, wie man die Angst vor dem Fehler ablegt. „Wenn du nicht verlieren willst, spiel nicht“, sagte er da. Es war der letzte Satz, den viele seiner Schützlinge von ihm hörten.

Die Euroliga veröffentlichte gestern ein Schwarz-Weiß-Video: Vujosevic an der Linie, die Arme ausgebreitet, als wolle er das ganze Spielfeld umarmen. Dazu die Bildunterschrift: „Seine Systeme leben weiter, sein Feuer nie.“ Partizan wird am Sonntag im Stark-Arena mit einer Schweigeminute gedenken. Die Fans planen bereits ein Choreo: 12 goldene Meistersterne, ein Portrait, darunter das Datum seines ersten Titels – 1992.

Der montenegrinische Verband kündigte an, die nationale Trainer-A-Lizenz künftig „Dusko Vujosevic Coaching Diploma“ zu nennen. Eine Geste, die papiernen Ehren sonst vorbehalten ist. Doch bei ihm passt es. Denn wer Partizan verstehen will, muss Vujosevic verstehen. Und wer Vujosevic versteht, versteht, dass Basketball keine Sportart ist, sondern eine Frage von Charakter. Die Antwort lautete: 67 Jahre lang Nonstop. Jetzt herrscht Stille auf der Bank. Die Systeme aber summen weiter.