Duplantis schraubt weltrekord auf 6,31 m – und schon zielt er auf 6,40

Er flog schon wieder höher als alle anderen jemals. Am Donnerstagabend in Uppsala katapultierte sich Armand Duplantis mit 6,31 Metern in eine neue Dimension – und am Samstag will er in Torun nachlegen. Der 26-jährige Schwede hat seinen Stab versteift und die Anlauf-Taktik umgestellt. Die Botschaft an die Konkurrez: Ich bin noch lange nicht am Limit.

Neuer stab, längerer anlauf: die zahlen hinter dem rekord

Was wie ein Detail klingt, war der Schlüssel zum 15. Weltrekord seiner Karriere. Statt des bisherigen Standard-Modells griff Duplantis auf eine deutlich steifere Carbon-Faser zurück. Die Folge: mehr Rückstellkraft, schnellere Rotation, höhere Flugbahn. Zusätzlich verlängerte er seinen Anlauf von 20 auf 22 Schritte – erstmals seit sieben Jahren. „Ich hatte keine Geschwindigkeitsmessung am Band, aber das Gefühl war sofort: Das Ding fliegt von allein“, sagt er im Gespräch mit TSV Pelkum Sportwelt.

Die Zahlen sind gnadenlos. Seit 2022 stieg er von 6,20 auf 6,30, jetzt also 6,31. Geht die Tendenz weiter, wären 6,40 Meter keine Science-Fiction. Duplantis selbst schmunzelt: „Ich spüre, dass Luft nach oben ist. Aber ich lege keinen Zentimeter-Zettel neben das Bett.“

Bubkas jahrhundert-marke rückt in sicht

Bubkas jahrhundert-marke rückt in sicht

Sergej Bubka schraubte seinerzeit den Weltrekord von 5,85 auf 6,15 m – eine Steigerung um 30 Zentimeter. Müsste Duplantis dieses Ratio übernehmen, landen wir bei 6,47 Metern. Realistisch? „Kann schon sein“, sagt er, „aber ich jage keinen Statistik-Werten hinterher.“ Entscheidend sei für ihn, „jedes Mal die beste Version meiner selbst“ abzurufen. Die Statistik jedenfalls zeigt: Noch nie zuvor hatte ein Stabhochspringer in vier Jahren so viele Zentimeter draufgelegt.

6,17 M von karalis – der funke, der das feuer entfachte

6,17 M von karalis – der funke, der das feuer entfachte

Dass der Wettkampf in Uppsala überhaupt in Rekord-Manier explodierte, hat auch einen Nebenbuhler zu verdanken. Als der Grieche Emmanouil Karalis Anfang März in Athen auf 6,17 m abhob, saß Duplantis auf dem Sofa. „Da schreibt mir Renaud Lavillenie ‚Hast du den gesehen?‘ – und ich dachte: Okay, Zeit für neue Ideen.“ Die Antwort folgte postwendend: ein neuer Stab, ein neuer Anlauf, ein neuer Weltrekord. „Vielleicht war Karalis’ Sprung der Katalysator“, sagt Duplantis. „Konkurrenz beflügelt.“

38 Siege in serie – und trotzdem keine spur von selbstzufriedenheit

38 Siege in serie – und trotzdem keine spur von selbstzufriedenheit

Seit dem Februar 2020 kassierte Duplantis in 38 internationalen Meetings keinen einzigen Platzverlust. Trotzdem warnt er: „Wer glaubt, das wäre ein Selbstläufer, bekommt Probleme.“ Selbst der 6,31-m-Sprung sei kein Garant für den Titel bei den Hallen-WM in Torun. „Ich muss jedes Mal neu die Sekunde treffen, in der sich Stab und Körper perfekt synchronisieren. Ein minimales Zögern, und alles ist weg.“

Back to torun – wo alles begann

Back to torun – wo alles begann

Am Samstag kehrt er auf die Bahn zurück, auf der er 2021 erstmals die 6-Meter-Marke im Hallen-Weltrekord überflog. „Torun ist mein Lucky Place“, sagt er. „Der erste Rekord bleibt unvergesslich – und jetzt will ich den zweiten.“ Publikum ist ausverkauft, die Arena gilt als lauteste der Tour. Für Duplantis ist das kein Druck, sondern Treibstoff. „Wenn die Tribüne brummt, spüre ich die Energie in den Waden. Das ist der Moment, für den ich trainiere.“

Die Message an die Konkurrenz und an die Sportwelt: Er ist bereits der Beste – und trotzdem wird er besser. Wohin das führt? 6,40 Meter sind nur eine Zwischenstation. Der Himmel ist die Grenze – und der Stab wird immer steifer.