Dosb und deutsche krebshilfe machen druck: jeder schritt zählt jetzt gegen krebs

Die Ampel steht auf Rot – für Deutschland, nicht für den Verkehr. Weniger als jeder Vierte bewegt sich ausreichend, obwohl Studien längst belegen: 30 Minuten moderate Bewegung täglich senken das Risiko für mindestens sieben Krebsarten messbar. Darum blasen DOSB und Deutsche Krebshilfe heute zum neuen Angriff.

Rezept für bewegung bekommt digitale landkarte als turbo

Die Idee klingt simpel, ihre Wirkung ist es nicht. Ärztinnen und Ärzte können seit 2024 ein „Rezept für Bewegung“ ausstellen – bislang oft ein Zettel mit guten Ratschlägen. Nun wird diesem Rezept eine Adresse verpasst. Die Bewegungslandkarte, die bereits 126.000 Sport- und Bewegungsangebote listet, wird direkt in die ärztliche Software eingebunden. Wer das Rezept in der Hand hält, tippt auf den Link und landet in seiner Straße, seinem Kiez, seiner Halle.

Gerd Nettekoven, Vorstand der Deutschen Krebshilfe, spricht offen aus, was viele denken: „Der Bewegungsmangel ist kein Lifestyle-Problem mehr, er ist ein Gesundheitsnotstand.“ Die Zahlen untermauern seine Klarheit. Pro Jahr erkranken in Deutschland rund 500.000 Menschen neu an Krebs – Tendenz steigend. Gleichzeitig sinkt die körperliche Aktivität seit Jahren, besonders bei den über 60-Jährigen.

Wo therapie beginnt, bevor man krank wird

Wo therapie beginnt, bevor man krank wird

Das Projekt verlässt das Feld der guten Vorsätze und wird handfest. Ein Patient verlässt die Praxis mit konkretem Trainingsplan und unmittelbarem Zugang. Vereine vor Ort melden sich, wenn sie barrierefreie Kurse anbieten. Die Datenbank sortiert nach Allergien, Gelenkproblemen, Leistungsstand. Die Hemmschwelle fällt – nicht die Qualität.

Michaela Röhrbein, Vorständin Sportentwicklung beim DOSB, sieht den organisierten Sport in der Pflicht: „Wir müssen aufhören zu warten, bis die Leuten zu uns kommen. Wir gehen zu ihnen, mit offenen Hallen, Parks, Online-Kursen, was auch immer nötig ist.“ In Pilotregionen wie Münster und Dresden laufen bereits Tests. Erste Ergebnisse: Jede fünfte Person, die ein Rezept erhielt, startete innerhalb von vier Wochen ein Bewegungsprogramm – dreimal so viel wie ohne digitale Weiterleitung.

Die Brisanz der Aktion wird erst klar, wenn man die Kosten betrachtet. Die direkten Krankheitskosten für Krebs belaufen sich laut Barmer Gesundheitsreport auf über 19 Milliarden Euro jährlich. Investitionen in Prävention wirken wie ein Hebel: eine Euro in Bewegungsprogramme spart bis zu vier Euro in Spätfolgen ein.

Die Kooperation läuft nicht im stillen Kämmerlein ab. Ab September startet eine bundesweite Kampagne unter dem Motto „Zwei Schritte voraus“, mit Plakaten in Praxen, Social-Media-Clips und Aktionstagen in über 3.000 Sportvereinen. Die Botschaft: Bewegung ist keine Leistungsshow, sondern ein Rezept wie jedes andere – nur eben ohne Nebenwirkungen.

Am Ende bleibt eine nüchterne Bilanz. Deutschland hat die Wahl: weiter rasant zunehmende Krebszahlen oder ein umdenken auf Prävention. Die Weichen dafür werden nicht im Bundestag gestellt, sondern in Arztpraxen, Vereinsheimen und auf Parkplätzen. Die Landkarte liegt bereit – und das Rezept wartet nur darauf, unterschrieben zu werden.