Doriane pin rast in silverstone ins f1-archiv – mercedes erlebt seine erste frau am steuer

Silverstone, 17. April 2026, 09:43 Uhr: Als der W12 E Performance aufheult, rückt die Zukunft der Formel 1 einen Satz nach vorn. Doriane Pin presst 76 Mal die 2,639 km des National Circuit unter die Sohlen – und schreibt sich dabei in drei Statistik-Spalten gleichzeitig ein. Erste Frau bei Mercedes. Jüngste Pilotin, die je einen Silberpfeil bewegt. Erste Französin überhaupt in einem aktuellen F1-Boliden.

Kein pr-ausflug, sondern ein machtakt

Die 22-jährige Entwicklungsfahrerin spult 200,6 km ab, bleibt fehlerfrei und schließt mit einer Bestzeit, die sich keineswegs versteckt. „Ich wollte zeigen, dass wir nicht nur dabei sind, sondern mithalten“, sagt Pin, noch ganz in der Boxengasse, Overall halb geöffnet, Stimme rau vom G-Kräfte-Cocktail. Im Simulator hatte sie jede Schikane vorab 400 Mal durchgespielt, aber das reale Downforce von 1.600 Kilo packt sie trotzdem an die Rippen. „Erste Runde: alles größer, schneller, lauter. Zweite Runde: Ich bin angekommen.“

Trackside-Engineering-Direktor Andrew Shovlin nickt. „Sie hat das Team beeindruckt – und das ist hier ein hartes Pflaster.“ Keine Testdummie, sondern Datenlieferantin. Ihre Rückmeldungen zum neuen Reifenmischungs-Korridor lieferten „eine Referenz, die wir so nicht erwartet hatten“. Kurz: Mercedes testet ernsthaft mit ihr, nicht nur an ihr.

Von der f1 academy direkt ins hauptquartier

Von der f1 academy direkt ins hauptquartier

Der Sprung ist brachial. Vor zwölf Monaten krönte sich Pin in der F1 Academy zur Championess, jetzt sitzt sie in einem Auto, das Lewis Hamilton 2021 an die Spitze pilotierte. „Der Unterschied? Mein bisheriges stärkstes Gerät hatte 450 PS. Der W12 bringt über 1.000, wenn die Batterie voll entlädt.“ Die Französin lacht, aber ihr Blick bleibt klar. „Power ist nichts, wenn du sie nicht dosieren kannst. Genau das habe ich heute gelernt.“

Ihre Familie stand an der Streckengrenze – Vater, Mutter, zwei jüngere Schwestern. „Sie haben meine erste Runde gefilmt und die letzte. Zwischen diesen beiden Videos liegt ein Traum, den ich seit Kartzeiten hege.“ Die Emotion packt sie erst, als das Visier hochklappt. Dann kommen die Tränen – aus Euphrat, Adrenalin und 15 Jahren Disziplin.

Nachwuchs-chef lagrue plant schon den nächsten schritt

Nachwuchs-chef lagrue plant schon den nächsten schritt

Gwen Lagrue, Leiter des Mercedes-Junior-Programms, lässt keinen Deut an Spekulation. „Wir werden in den nächsten Jahren eine Frau in der Startaufstellung sehen. Und wir wären stolz, wenn sie aus unserem Stall käme.“ Interne Zahlen zeigen: Pins Langzeitpace lag innerhalb von 0,3 Sekunden auf Niveau vergleichbarer Young-Driver-Tests. Die Signale sind eindeutig – der Silberpfeil hat eine weitere Option auf dem Radar.

Die Konkurrenz schaut auf. Aston Martin testete 2023 mit Jessica Hawkins, Alpine legt Rosin Graff auf die Kurzliste für 2027. Pin aber ist die erste, die direkt ein Top-Team bespielt. „Ich bin keine Botschafterin auf Zeit“, sagt sie. „Ich bin Rennfahrerin – und heute habe ich bewiesen, dass ich dieses Level halten kann.“

76 Runden, kein Aufreger, kein Spin, kein verpatzter Boxenstopp. Dafür Geschichte im Dreifachpack. Silverstone hat schon viele Geschichten erzählt. Diese hier klingt nach Fortsetzung – und zwar mit Boxenfunkfrequenz statt Epilog.