Doping-skandal erschüttert ultratrail-szene: trainer kämpft vor gericht
Ein Schockwellen läuft durch die Ultratrail-Community: Der Dopingskandal um die kenianische Läuferin Jolyne Chepngeno und die daraus resultierenden juristischen Auseinandersetzungen werfen einen langen Schatten auf die ansonsten boomende Sportart. Der Fall, der sich um die Sierre-Zinal und den UTMB dreht, offenbart nicht nur die Schattenseiten des Ehrgeizes, sondern auch die komplexen rechtlichen Konsequenzen für Trainer und Teams.
Der fall chepngeno: eine lawine von konsequenzen
Jolyne Chepngeno, Siegerin der renommierten Sierre-Zinal und der OCC des UTMB, wurde nach einem positiven Dopingtest auf Triamcinolon-Acetonid suspendiert und von ihren Titeln enthoben. Die Substanz, ein Kortikosteroid, soll angeblich zur Behandlung einer Knieverletzung eingesetzt worden sein. Ein Geständnis der Athletin und die umgehende Entfernung aus dem Salomon-Team folgten prompt. Doch der Fall geht weit über die individuelle Strafe hinaus.
Die Regeln der Sierre-Zinal, die von allen Teilnehmern akzeptiert wurden, sehen vor, dass auch der Trainer für die Verstöße seiner Athletin zur Verantwortung gezogen wird. Julien Lyon, der Trainer von Chepngeno und Gründer des Milimani Runners Teams, sah sich daraufhin mit den Kosten für Anmeldungen, Transport und Unterkünfte konfrontiert, musste Preisgelder zurückzahlen und wurde ebenso wie sein Team für immer von der Teilnahme an der Sierre-Zinal ausgeschlossen. Das ist ein harter Schlag für ein Team, das sich der Förderung junger Talente verschrieben hat.

Juristischer kampf: lyon zieht vor gericht
Doch Lyon gab nicht auf. Er klagte vor dem Tribunal de Sierre und erreichte zunächst die Entfernung jeglicher Vorwürfe gegen ihn und sein Team aus den offiziellen Dokumenten. Ein zweites Urteil, kürzlich veröffentlicht, verurteilte ihn zur Zahlung von 3.300 Schweizer Franken für administrative und gerichtliche Kosten – „nicht für den Kern der Sache“, wie es heißt. Vor allem aber erkannte das Gericht an, dass der Trainer keine Verantwortung für den Dopingverstoß seiner Athletin trägt. Die juristische Schlacht ist jedoch noch lange nicht entschieden.
Lyon verfolgt seinen Rechtsstreit weiter und hat im März zwei weitere Klagen eingereicht: eine über 96.500 Schweizer Franken wegen entgangener Einnahmen seit Dezember 2022 (nachdem bereits ein ähnlicher Fall im Team zu einer Sanktion geführt hatte) und eine weitere über 50.000 Schweizer Franken wegen immateriellen Schadens.
Die Organisatoren der Sierre-Zinal, die in Kürze ihr fünfunddreißigstes Jubiläum feiern, nehmen die Situation gelassen. Sie hoffen auf ein günstiges Urteil und vermeiden damit einen finanziellen Schlag für die traditionsreiche Veranstaltung. Gleichzeitig betonen sie ihr unerschütterliches Engagement im Kampf gegen Doping und genießen die volle Unterstützung der Golden Trail World Series. Die Frage ist, ob die Justiz dem Trainer Recht gibt oder ob die Konsequenzen für den gesamten Sport noch weiter reichen werden.
