Dolomiten-klassiker startet bei nacht: 70 boliden rasen 490 km durch schnee und legenden

Keine 24 Stunden nach dem olympischen Feierabend wummert die BMW 321 von 1942 als erstes durch die verschneite Stille des Passo Giau. 70 Fahrzeuge, 90 Jahre Autogeschichte, ein Prolog im Mondlicht – die WinteRace Cortina wirft am 19. März 2026 den Handschuh in die frostige Luft der Dolomiten.

Stoppuhr statt skistöcke

Die 13. Auflage der wohl spektakulärsten Regularitäts-Rallye für historische und moderne Traumwagen spannt einen Bogen von 1935 bis 2026. Wer denkt, hier fahren nur verstaubte Oldtimer, irrt. Zwischen der seltenen Fiat 508 S und der Ferrari SF90 Spider mit 1 000 PS Hybrid-System jagt auch Jerry-Calàs „Vacanze di Natale“-Mini De Tomaso Turbo über die 68 Wertungsprüfungen. Die Strecke: 490 Kilometer, drei Tage, kein Meter Ausruhen.

Organisator Stefano Sangalli sagt es so knapp wie ein Boxenstop: „Die Berge sind die beste Tribüne der Welt, wenn Blech und Asphalt sich verlieben.“ Tatsächlich zieht das Rennen Piloten aus Argentinien, Uruguay, Belgien, den Niederlanden und vom Fürstentum Monaco an – und das, obwohl Cortina wegen der Olympiabauten auf viel Winterflair verzichten musste. Die Lösung: ein Prolog bei Nacht, Lichterketten statt Schneekanonen, dafür mehr PS pro Quadratmeter als jemals zuvor.

Freitag geht’s über Falzarego, Pordoi und Costalunga bis nach Südtirol. Bolzano verwandelt die Walther-Piazza in eine gläserne Klangkiste, bevor Gardena und Valparola die Felgen glühen lassen. Samstag folgt der Cinque-Laghi-Kreis: Toblach, Prags, Misurina – kurz gesagt: Postkarten-Idylle mit 1 000 Newtonmetern Hinterraddruck. Finish ist das Grand Hotel Savoia, wo die Trophäen bereits frosteln.

Vom filmset aufs eis

Vom filmset aufs eis

Die Mini De Tomaso Turbo ist mehr als ein Promi-Gimmick. Sie stand 1983 neben Jerry Calà vor der Kamera, heute steht sie vor 2 300 Höhenmetern. Die Karosserie ist so kompakt wie ein Snowboard, aber unter der Haube arbeitet ein IHI-Lader, der selbst Haifisch-Grinsen erzeugt. Wer sie sieht, erinnert sich automatisch an Italo-Pop und Pullover mit Shoulder-Pads.

Die Kategorie „Icon“ füllt neben der Hybrid-BMW M5 Touring und der Toyota GR Yaris Gazoo Racing 2026 die rein elektrische Spannbreite: Dallara Stradale gegen Jaguar F-Type V8 – letzterer mit dem Auspuff-Sound, der in den Felswänden widerhält wie ein Gletscher-Echo. „Wir wollten ein Museum auf Rädern schaffen, das bei minus fünf Grad schön ist“, erklärt Co-Organisatorin Rossella Labate. Ihr ist das gelungen.

Die BMW 321? Nur 7 800 Mal gebaut, dann stoppte der Krieg die Produktion. Wer sie heute fährt, züchtet Geschichte wie einen Kristall. Die F-Type-V8-Piloten dagegen schalten im Launch-Control-Modus in 3,5 Sekunden auf 100 – und fragen sich vermutlich, warum die Zeit damals überhaupt stehen blieb.

Nach 490 Kilometern, 68 Wertungsprüfungen und unzähligen Instagram-Stories steht eine Erkenntnis: Wer in Cortina ankommt, hat nicht nur Asphalt unter den Nägeln, sondern auch die Gewissheit, dass Sportlichkeit kein Alter kennt – und dass 90 Jahre Autogeschichte bei minus 5 Grad schneller schmelzen als Schnee in der April-Sonne.