Digitale unfallanzeige wird pflicht – papier bleibt trotzdem erlaubt

Ab 8. April 2026 müssen italienische Versicherer eine digitale Unfallanzeige anbieten – die „CAI digitale“. Verzichten darf trotzdem niemand: Autofahrer können weiterhin auf das altbekannte Papierformular ausweichen. Die Branche erhofft sich schnellere Schadenregulierung, niedrigere Kosten und besseren Betrugsbekämpfung. Verändertwird sich für Autofahrer kaum etwas.

Was sich wirklich ändert

Das neue IVASS-Reglement 56/2025 zwingt alle Kfz-Versicherer, innerhalb eines Jahres eine App oder Web-Plattform zur Verfügung zu stellen. Nach Ablauf der Übergangsfrist am 7. April 2026 ist das digitale Formular Pflichtangebot – nicht Pflichtnutzung. „Unser Ziel war von Anfang an, die Wahlfreiheit zu wahren“, betont Luigi Mercurio, Präsident des italienischen Sachverständigenverbands Aiped. „Wer keine Lust auf Smartphone hat, schreibt eben wie gehabt mit Kugelschreiber.“

Die digitale Variante funktioniert nur bei Bagatellschäden: maximal zwei beteiligte Fahrzeuge, keine Schwerverletzten, beide Parteien einig über Hergang und Verantwortung. Die Eingabe erfolgt direkt am Unfallort, Fotos werden angehängt, Daten verschlüsselt übermittelt. Laut Branchenprognose verkürzt sich die Schadenbearbeitung um durchschnittlich sieben Tage, die Kosten pro Fall sinken um etwa 15 Prozent.

Betrug verhindern, prämien senken

Betrug verhindern, prämien senken

Italien zählte 2024 rund 1,5 Millionen Versicherungsbetrugsfälle. Algorithmen durchleuchten künftig innerhalb von Sekunden Inkonsistenzen bei Ort, Zeit und Schadenbild. „Jeder gesparte Euro senkt letztlich die Prämie“, sagt Marco Vichi, Analyst bei Facile.it. Die Umwelt profitiert als Nebeneffekt: Wegfall der chemisch beschichteten Vierfach-Carbonblätter spart jährlich 180 Tonnen Papier.

Die großen Versicherer haben längst reagiert. Unipol, Generali und Allianz präsentieren eigenentwickelte Apps, kleinere Anbieter greifen auf White-Label-Lösungen zurück. Bis Ostern 2026 bleibt Zeit, um die Technik auf Vordermann zu bringen. Dann entscheidet allein der Unfallgegner, ob sich die Zukunft des Schaedenverkehrs auf dem Display oder auf Papier entfaltet.