Diaz: vom fluchtling zum tripple-sprung-star – ein außergewöhnlicher weg

Oslo – Andy Diaz steht heute Abend wieder auf der Tartanbahn des Bislett Stadiums, bereit für einen weiteren Wettkampf in der Diamond League. Doch für den kubanischen Sprinter ist dieser Ort weit mehr als nur eine Bühne: Er ist ein Symbol für seinen unglaublichen Lebensweg, eine Reise voller Mut und Entbehrung, die ihn von einer gefährlichen Flucht aus Kuba in die sportliche Heimat Italien geführt hat.

Die entscheidung für die freiheit: ein riskantes unterfangen

Die Geschichte begann vor fünf Jahren, nach einem enttäuschenden zweiten Platz im Dreisprung bei einem Meeting in Kuba. Diaz erkannte, dass seine sportliche Karriere unter dem Regime keine Zukunft hatte. Ein Bein verletzte er noch, aber der Entschluss war gefasst. “Ich wusste, dass ich, wenn ich zurück nach Kuba käme, nie wieder ausreisen dürfte”, erklärt er heute. Und so riskierte er alles, um sein Leben und seine Träume neu zu gestalten.

Die Flucht selbst war ein hochkomplexes Manöver, das er mit seinen Nationalmannschaftskollegen plante. Nach einem Aufenthalt in Castellón de la Plana, Spanien, gelang ihm die Flucht nach Tokio, wo er sich als Zuschauer tarntete, um später nach Spanien und schließlich nach Italien zu gelangen. “Es war ein Bluff, ein riskantes Spiel, aber ich hatte keine andere Wahl.”

Ein vaterfigur am start: die rolle von fabrizio donato

Ein vaterfigur am start: die rolle von fabrizio donato

In Italien fand Diaz nicht nur ein neues Zuhause, sondern auch eine entscheidende Unterstützung: Fabrizio Donato, der Bronzemedaillengewinner von London 2012 und seitdem Diaz' Trainer. “Er hat mich in seinem Haus in Ostia aufgenommen, als ich kaum mehr als ein Fremder war. Er hat mir geholfen, mich zu integrieren, mich zu betreuen – ich verdanke ihm alles”, betont Diaz.

Die Beziehung zwischen Diaz und Donato geht weit über die des üblichen Trainer-Athleten-Verhältnisses hinaus. Sie sind Freunde, teilen Abenteuer und unterstützen sich gegenseitig. “Wir haben sogar einen Motorradtrip auf Sardinien gemacht! Fabrizio sagt, man müsse Talente auch so fördern”, grinst Diaz.

Familie neu gefunden: mily fish und die oma

Familie neu gefunden: mily fish und die oma

Diaz hat in Italien nicht nur sportlichen Erfolg gefunden, sondern auch eine neue Familie. Seine Mutter und seine Großmutter, beide namens Milagros, leben mittlerweile ebenfalls in Italien. Seine Mutter betreibt einen Fischladen in Ponte Milvio, den Diaz ihr gekauft hat – “Mily Fish” nennt sie sich stolz. Seine 84-jährige Großmutter, die noch nie zuvor ihr Heimatland verlassen hatte, lernt fleißig Italienisch mithilfe von YouTube-Videos. “Sie sitzt mit Notizblock und Bleistift davor und versucht, alles aufzuschreiben. Es ist herzerwärmend.”

Die herausforderung in oslo: pichardo schied aus

Die herausforderung in oslo: pichardo schied aus

Zurück zum Sport: Diaz blickt nun voller Zuversicht auf den Wettkampf in Oslo. “Pichardo, der eigentlich antrat, hat kurzfristig abgesagt. Das ist vielleicht gut so. Ich werde gegen die Top-Athleten aus Jamaika, Scott und Hibbert, antreten. Diese Stadt bedeutet mir viel, ich möchte weit springen!”

Die Pubalgie, die ihn in der Vergangenheit behindert hat, ist dank intensiver Therapie überwunden. “Ich fühle mich gut und bin bereit. Ich muss nur noch an meinem Anlauf arbeiten.”

Die Zukunft sieht rosig aus für Andy Diaz, den Mann, der aus der Not einer geflüchteten Person einen Hoffnungsträger für die italienische Leichtathletik wurde. Seine Geschichte ist ein Beweis dafür, dass Mut, Entschlossenheit und die Unterstützung durch Menschen wie Fabrizio Donato Berge versetzen können.