Dfl kreiert u21-geisterspiel-liga: berliner klubs springen auf, mainz verweigert
Mit einem Format, das fast schon an verdeckte Testspiele erinnert, startet die DFL kommenden Sommer eine U21-Liga ohne Zuschauer, ohne feste Heimstätten und – bis auf ein Finalturnier – ohne TV-Kameras. Union und Hertha melden sich sofort, andere Bundesligisten wie Mainz 05 lehnen schon jetzt ab. Die Entscheidung kommt nicht aus dem Nichts: Die Liga will Spielpraxis für den „Übergangsbereich“ schaffen, jene tödliche Zone zwischen Jugend und Profifußball, in der Talente zuletzt reihenweise versickerten.
Die geister-liga: drei bis sechs spiele, unbegrenzte wechsel, kein heimrecht
Pro Halbserie bestreitet jeder Verein maximal ein halbes Dutzend Partien. Dafür darf unbegrenzt gewechselt werden – ein Experimentierfeld für Trainer, das in keiner offiziellen Liga erlaubt wäre. Austragungsort ist ein neutraler Drittspielort, meist irgendwo „auf halber Strecke“, wie Union-Sprecher auf Anfrage erklären. Die Logik dahinter: Reisekosten minimieren, Schulstunden schonen. Doch genau das zweifelt Mainz-Nachwuchsleiter Volker Kersting an: „Wenn wir 16-Jährige 250 km unter der Woche zu Spielen chauffieren, frage ich mich: Wie viele Unterrichtstage wollen wir den Jungs noch rauben?“
Die neue Liga entsteht parallel zur bestehenden 3. Liga und den Regionalligen; Zweitvertretungen wie Herthas U23 bleiben unangetastet. Dennoch steht das Projekt sofort in der Kritik: Ein besser besetztes U17-Team könnte auf eine U19 mit vierälteren Profis treffen – ein Match-up, das laut Kerstning „für beide Seiten fragwürdige Erkenntnisse“ liefert.

Union und hertha setzen auf spielzeit statt südstadt-charme
Für Union ist die Rechnung einfach: Mehr Spielzeit auf hohem Niveau für Talente, die zwischen U17 und Profikader hängen. „Wir setzen den Standard fort“, sagt Clubsprecher. Auch Hertha-Sportdirektor Benjamin Weber sieht „eine sinnvolle Ergänzung“, um den Sprung vom Jugend- zum Männerbereich zu verkürzen. Beide Klubs verzichten freiwillig auf Heimspiel-Atmosphäre – ein Novum im deutschen Nachwuchsbereich.
DFL-Seite hofft indes, nur das Final-Four-Turnier zu bewerben – ein TV-Spektakel mit Zuschauern, das die entstandenen Kosten zumindest teilweise zurückspielt. Ob sich das Modell trägt, entscheidet sich bereits am 15. Juni: Bis dahin müssen sich die 36 Lizenzclubs für oder gegen die Teilnahme festlegen.
Ein Vorbild gibt es bereits: die Premier League 2, die seit 2022 ähnliche Strukturen in England fährt. Dort allerdings sind Kameras erlaubt, und die Spiele laufen auf den Club-Channels. Die deutsche Variante bleibt bewusst im Verborgenen – ein Schachzug, um Jugendteams vor neugierigen Augen zu schützen oder schlicht ein Kosten-Dämpfer? Die nächste Saison zeigt, ob Talente in leeren Stadien reifen oder im Stillen verkümmern. Klar ist jetzt schon: Union und Hertha werden dabei sein – ob mit oder ohne Publikum.
