Dfb-arbeitsgruppe ringt um regionalliga-reform: kompassmodell droht zu scheitern
Der Mythos vom gerechten Aufstieg – er zerfetzt sich gerade in der Frankfurter DFB-Zentrale. Seit Jahren versprechen Funktionäre eine Lösung für die verkrustete Regionalliga-Struktur, doch am Mittwoch steht die Arbeitsgruppe wieder vor einem Trümmerhaufen aus Interessen, Angst und Postengeschacher. Das Kompassmodell, die scheinbare Wunderwaffe mit KI-gestützter Staffel-Einteilung, könnte bereits im Keim erstickt werden.
65 Klubs rebellieren gegen das 4-gegen-5-diktat
Nur vier Aufstiegsplätze für fünf Meister – diese Mathematik treibt Vereine in den Wahnsinn. Die Initiative „Meister müssen aufsteigen“ hat sich zur Gralshüter-Mission hochgeschrieben, Union Berlin drückt mit, der BFC Dynamo liefert Unterschriften, selbst Oberligisten schicken Brandbriefe. Der DFB reagierte im August mit einer Arbeitsgruppe, die nun unter Hochdruck einen Kompromiss basteln soll. Doch intern brodelt es: Landesverbände aus Nord, Bayern und West fürchten den Verlust ihrer eigenen Spielklasse, wollen lieber alles beim Alten lassen. Ein Präsident flüstert: „Wir schaufeln uns das eigene Grab, wenn wir die Regionalliga-Souveränität aufgeben.“
Die Idee klingt logisch: vier statt fünf Ligen, Meister steigt direkt, Rest kann sich nicht mehr verstecken. Doch die KI, die künftig die Staffeln neu schneiden soll, ist bereits jetzt Spielball von Lobbyisten. Wer bestimmt, ob der BFC Dynamo künftig nach Hannederby fährt oder doch lieber nach Bayern? Die Antwort liegt in Protokollen, die niemand öffentlich macht. Und plötzlich kursiert eine Liste: 14 Teams müssten absteigen, um die 20er-Staffeln zu füllen – darunter Traditionsklubs wie Hertha Zehlendorf, der SV Babelsberg. Geschäftsführer rechnen: „Ein Oberliga-Jahr kostet 300 000 Euro Umsatz minus, das ist für manche existenziell.“

Lizenzchaos und reisekosten-explosion
Ein einheitliches Lizenzverfahren würde kleinere Klubs abhängen: Flutlichtpflicht, Nachwuchszentren, Liquiditätsnachweise – Voraussetzungen, die manche nicht mal erfüllen, wenn der neue Rasen schon liegt. Dazu kommen 1.200-Kilometer-Trips: Ein Gegner aus Kassel trifft auf ein Berliner Team, das vorher nie über die brandenburgische Grenze fuhr. Busunternehmen kalkulieren mit 25-prozentigen Preiserhöhungen, Sponsoren drohen mit Rückzug, wenn der Name plötzlich in einer anderen Staffel verschwindet. Und während die Funktionäre debattieren, schreiben Fans auf Twitter: „Lieber 3. Liga mit 22 Teams statt KI-Staffel-Kuddelmuddel.“
Michael Vesper, früher DOSB-Chef, heute Moderator der Arbeitsgruppe, trommelt: „Wer A sagt, muss B sagen.“ Doch hinter den Kulissen arbeiten Gegner an einer Sperrminorität. Drei Landesverbände sollen genug Stimmen haben, um jede Reform zu blockieren. Quelle des Vertrauens: „Sie wollen die Macht nicht abgeben, weil sie sonst kein eigenes Produkt mehr verkaufen können.“ DFL-Manager mischen mit, weil die 3. Liga ihre Marke ist, der DFB aber die Regionalligen kontrolliert – ein Machtpoker mit 60 Millionen Euro Medienrechten im Hintergrund.
Die Wahrscheinlichkeit einer Einigung am Mittwoch? 50:50, sagen Insider. Entweder ein Durchbruch – oder ein weiteres vertagtes Drama. Die Fans sind gelangweilt, die Vereine verzweifelt. Und am Horizont zeichnet sich bereits die nächste Frustration ab: Sollte das Kompassmodell scheitern, droht der DFB mit einer radikalen Kehrtwende: Zurück zur Drei-Liga-Staffel, Aufstiegsspiele im K.-o.-Modus, Chaos garantiert. Die Uhr tickt, der Ball liegt im Frankfurter Konferenzraum. Wer zuerst blinzelt, verliert die Meisterschaft – und vielleicht die Zukunft der halben Profi-Landschaft.
