Deutschland will österreich laut minge „zerlegen“ – der haken: die derby-falle
Die Frauen-Nationalmannschaft fliegt mit Triebwerkslautstärke durch die WM-Quali, doch vor dem Doppelpack gegen Österreich warnt Janina Minge: „Wenn wir glauben, das wird ein Spaziergang, fliegen wir auf die Schnauze.“ Die Zahlen sprechen zwar Deutsch – 4:1, 6:0 im Vorjahr –, der Kopf sagt: Derby-Alarm.
Derby-vibes statt lächel-lächel
Minge kennt fast jede Gegnerin persönlich vom Bundesliga-Alltag. „Wir treffen uns morgens im Aufwärmprogramm, abends hacken sie uns die Knöchel“, lacht die Vize-Kapitänin, bevor sie den Spaß beiseite wischt. „Spiele gegen Österreich sind keine Freundschaftsspiele, das sind kleine Kriege mit Pass.“ Die 26-Jährige wird mit 30 Länderspielen zur Stimme der Erfahrung im jungen Kader von Christian Wück.
Die Bilanz der letzten zwölf Monate liest sich wie ein Lehrbuch Dominanz: zehn Siege, ein Remis, 41:5 Tore. Doch genau das macht Minge nervös. „Zu viel Selbstvertrauen wird schnell zur Blase. Und Blasen platzen laut“, sagt sie und deutet auf die Trainingswiese im bayerischen Herzogenaurach, wo sich seit Dienstag der Rhythmus erhöht.

Polizistin, allround-waffe, not-torhüterin
Neun Positionen hat Minge offiziell bestritten, die zehnte – die zwischen den Pfosten – folgte aus der Not heraus, als Stina Johannes in Rot vom Platz musste. „Ich habe keine Handschuhe, nur Adrenalin“, erinnert sie sich an den 3:3 gegen Union Berlin. „Aber hey, jetzt kann ich sagen: Ich habe wirklich überall gespielt. Sogar dort, wo man sonst nur die Maschen zählt.“
Die ausgebildete Polizistin versteht ihre Rolle als Störfaktor. „Ich bin das Schreckschloss im Mittelfeld. Kommt wer durch, bin ich die letzte Wand vor dem Abwehrbollwerk.“ Wück schwärmt von ihrer Übersicht, doch Minge scherzt: „Er nennt es taktische Flexibilität, ich nenne es Job-Sicherheit.“
Harmonie herrscht trotzdem. „Wir streiten uns nur über die Musik im Bus. Sonst gibt es nichts zu meckern, und das ist selten bei 23 Frauen, die sich die Haare vom Leib spielen wollen“, grinst sie. Flache Hierarchien nennt sie „Chefsache“, weil jede Spielerin „ein kleiner Co-Trainer“ sei.

Österreichs geheimwaffe heißt frust
Die Gäste reisen mit drei verletzten Stammkräften an, dafür aber mit einem Frust, der seit dem 0:6 brodelt. „Sie werden nicht kommen, um Freundschaftsbänder zu tauschen“, warnt Minge. „Sie wollen das deutsche Tor so oft treffen, bis der Ball glüht.“ Schon letztes Jahr klapperten nach dem 1:4 in Pasching die Kabinentüren, weil Österreichs Coach Irene Fuhrmann ihre Spielerinnen wissen ließ: „So eine Klatsche vergesst ihr nie.“
Für Deutschland geht es ums Polster. Sechs Punkte Vorsprung auf Norwegen, ein Spiel weniger – ein Sieg am Dienstag könnte die Gruppe vorzeitig entscheiden. „Wir wollen nicht rechnen, wir wollen randalieren“, sagt Minge und meint damit das offensive Pressing, das Wück seit der EM perfektioniert.
Die Fans in Nürnberg haben bereits 30.000 Tickets gelöst, Rekord für ein Frauen-Quali-Spiel in Bayern. „Wenn die Münchner Kurve singt, vergisst man, dass es nur April ist“, schwärmt Minge, die selbst als Kind mit ihrem Vater im Block stand. „Ich will, dass die Mädchen in den Reihen morgen sagen: Ich will so werden wie die da hinten – nur besser.“
Der Countdown läuft. 48 Stunden vor Anpfiff hat Minge bereits ihre Schienbeinschoner poliert. „Die werden heute Abend noch mal lackiert, dann sind sie derby-tauglich“, lacht sie. Und wenn sie am Dienstagabend vom Platz geht, will sie nicht nur drei Punkte im Gepäck haben, sondern auch ein Versprechen: „Dass wir nicht nachlassen, bis die Quali gebucht ist. Und danach? Dann wollen wir Brasilien sehen und dort den Titel holen.“
Die deutsche Maschine rollt – mit Volldampf, aber ohne Selbstzufriedenheit. Denn wie Minge es formuliert: „Wer auf der Autobahn der Spitze chillt, wird überholt – und wir haben keinen Seitenstreifen frei.“
