Deutschland trägt blau zur wm – das ende der rosa revolution
Die Nationalmannschaft schmeißt das knallige Lila-Pink raus, zieht stattdessen ein dunkelblaues Trikot über. Der DFB präsentiert das Auswärtsdress für die WM 2026 – und löst damit eine Retro-Debatte aus, die bis in die 70er-Jahre reicht.

Warum genau jetzt ein rückgriff auf alte übungsklamotten?
Das neue Jersey erinnert laut Verband an „die historischen blauen Trainingsoberteile“ der deutschen Elf. Gemeint sind die Sweatshirts, die Franz Beckenbauer und Günter Netzer beim Aufwärmen trugen, bevor sie im Olympiastadion von München Dribblings zeigten, die ein ganzes Land aus dem Sitzen rissen. Adidas setzt auf Nostalgie, weil Nostalgie verkauft – und weil der Deal mit Nike schon fixiert ist.
Die Optik: ein sattes Blau, fast schwarz in der Bewegung, dazu hellblaue Akzente an Kragen und Ärmelbündchen. Serge Gnabry posierte in der gestylten Vorstellung wie ein Modell, das vergessen hat, dass Trikots auch mal dreckig werden. Es wirkt edel, aber auch ein bisschen wie ein Anzug, den man nur an Feiertagen aus dem Schrank holt.
Erster Einsatz ist am 27. März in Basel gegen die Schweiz. Dort wird sich zeigen, ob die Farbe auf dem Rasen muckelt oder mitspielt. In der Gruppenphase der WM, am 14. Juni gegen Curaçao, könnte sie zum zweiten Mal zum Einsatz kommen – sofern die Gegner nicht ebenfalls in Weiß antreten. Dann wäre das Blau plötzlich Pflicht.
Die Ironie: Das Teil ist gleichzeitig das letzte Adidas-Auswärtsdress überhaupt. 100 Millionen Euro jährlich zahlt Nike ab 2027, fast eine Verdopplung des bisherigen Vertrags. Der DFB schlägt also ein Kapitel zu, bevor das neue beginnt – und lässt die Fans noch einmal in alten Erinnerungen schwelgen, bevor der Swoosh das Logo ersetzt.
Blau war nie die deutsche Fußballfarbe. Schwarz-Weiß dominiert, dazu das explosive Grün der 90er. Blau blieb reserviert für Trainingsgelände und Fernsehbilder, für den Moment vor dem großen Auftritt. Jetzt wird es zum Bühnenbild erhoben. Vielleicht liegt darin die Botschaft: Erst die Arbeit, dann der Glamour. Oder einfach nur: Letzte Runde, altes Hemd an, bevor die Kasse klingelt.
Die Spieler werden es tragen, weil sie müssen. Die Fans werden es kaufen, weil sie sammeln. Und die Historie notiert sich die Farbe als Fußnote zwischen zwei lukrativen Deals. Ende der Geschichte. Anpfiff in 81 Tagen.
