Deutschland im wm-fokus: kann nagelsmann die flickstühle-truppe stabilisieren?

Die Vorfreude auf die Weltmeisterschaft 2026 ist in Deutschland allgegenwärtig, doch unter der Oberfläche brodelt die Ungewissheit. Nach enttäuschenden Auftritten in Russland und Katar muss das DFB-Team nun beweisen, dass die jüngsten Erfolge mehr als nur Strohfeuer sind. Eine neue Ära unter Julian Nagelsmann steht auf dem Prüfstand – und die Erwartungen sind enorm.

Die bilanz spricht für sich, die zweifel bleiben

Die bilanz spricht für sich, die zweifel bleiben

Der Start in die Qualifikation war vielversprechend. Ein glattes 7:1 gegen Curazao und ein knapper 2:1-Sieg gegen die Elfenbeinküste lassen auf eine Renaissance der Mannschaft hoffen. Doch das Spiel gegen die Ivorer offenbarte auch Risse: Eine wackelige Defensive und ein fehlendes Übergangsspiel sorgten für Nervosität. Die Frage ist, ob Nagelsmann in der Lage ist, die vielen Individualisten zu einer funktionierenden Einheit zu formen.

Die Generation um Neuer, Kroos und Müller hat ihre Zeit hinter sich. Ein Abschied, der schmerzte, aber den Weg für eine neue Generation frei machen sollte. Doch die Nachfolge ist noch nicht so stark wie erhofft. Besonders im Mittelfeld herrscht Nachholbedarf. Kimmich ist zwar als rechter Verteidiger gefragt, doch ein echter Spielmacher fehlt, der Musiala und Wirtz entlasten kann.

Die Gruppengegner im Visier

Im Gruppene E treffen die Deutschen auf Ecuador, Curazao und die Elfenbeinküste. Der erste Vergleich gegen Costa de Marfil zeigte, dass auch vermeintlich vermeidbare Punkteverluste möglich sind. Ecuador, obwohl mit einer ungewöhnlichen Bilanz von acht Unentschieden in 18 Spielen, ist ein unangenehmer Gegner, der vor allem durch seine körperliche Stärke und die Erfahrung von Enner Valencia zu gefallen weiß. Curazao, das Debütanten-Team mit vielen europäischen Legionären unter der Leitung von Dick Advocaat, darf keinesfalls unterschätzt werden. Die Überraschungsmannschaft, die auf Spieler wie Leandro und Juninho Bacuna setzt, könnte für einige Stolpersteine sorgen.

Die Elfenbeinküste, angeführt von erfahrenen Kräften wie Kessie und Diallo, ist ebenfalls ein ernstzunehmender Konkurrent. Sebastian Haller, trotz seines schwierigen Starts in La Liga, soll in der Offensive für die nötige Durchschlagskraft sorgen. Kossounou, der talentierte Innenverteidiger von Bayer Leverkusen, stabilisiert die Abwehr.

Die Herausforderungen für Nagelsmann

Nagelsmann steht vor der Aufgabe, eine Balance zwischen junger Energie und alter Erfahrung zu finden. Die Innenverteidigung mit Tah und Anton wirkt zwar solide, doch die Außenpositionen sind noch nicht optimal besetzt. Im Angriff hofft man auf Woltemade, der die Rolle des klassischen Neuners einnehmen kann. Die Frage ist, ob er die Erwartungen erfüllen kann, die seit dem Abgang von Klose auf dieser Position lasten. Die Entscheidung über Ter Stegens Einsatz im Tor bleibt ein weiteres Puzzleteil, das Nagelsmann lösen muss.

Die Weltmeisterschaft 2026 wird zeigen, ob Deutschland wieder zu den Top-Favoriten gehört. Die Zeichen stehen auf Erneuerung, aber der Weg dorthin ist noch lang und steinig. Ein Platz im Viertelfinale ist das absolute Minimum – alles darunter wäre eine Enttäuschung für die anspruchsvollen Fans.