Deutschland im wintersport: zwischen tradition und neuen herausforderungen

Kampf um die spitze im weltsport

Deutschland steht vor der Herausforderung, seine Position im internationalen Wintersport zu behaupten. Die Konkurrenz ist enorm gewachsen, und die Zeiten, in denen das deutsche Team mühelos an der Spitze des Medaillenspiegels stand, sind vorbei. 2006 war das letzte Mal, dass Deutschland bei den Winterspielen den ersten Platz belegte, mit beeindruckenden elf Goldmedaillen vor den USA (neun).

Konstanz und ausreißer

Konstanz und ausreißer

In den letzten fünf Winterspielen zeigte Deutschland eine bemerkenswerte Konstanz, mit 9 bis 14 Goldmedaillen. Ein Ausreißer nach unten war jedoch 2014 in Sotschi, wo das Team nur 19 Edelmetalle gewann. Der Ausfall des erfolgreichen Bob-Teams trug maßgeblich zu diesem Rückgang bei. Die kommenden Winterspiele in Mailand und Cortina versprechen jedoch eine Rückkehr zur Stärke, insbesondere im Bob-Bereich.

Bob-team als goldgarant

Das deutsche Bob-Team gilt in drei von vier Disziplinen als nahezu unschlagbar. Lediglich im Monobob der Frauen gibt es stärkere Konkurrenz. Auch Rodler und Skeletoni haben gute Chancen auf Medaillen. Abseits der Eiskanäle muss Deutschland jedoch vermehrt auf Einzelkönner und Überraschungen hoffen, um erfolgreich zu sein. Die Zeiten, in denen man auf breiter Front Goldmedaillen einfuhr, scheinen vorbei.

Herausforderungen in biathlon und ski alpin

Im Biathlon hängt viel von der Leistung der Weltmeisterin Franziska Preuß ab, um überhaupt Medaillen zu gewinnen. Im Ski Alpin wird die junge Emma Aicher (22 Jahre) als Favoritin gehandelt. Im Skispringen muss alles perfekt harmonieren, um überhaupt eine Chance auf Podestplätze zu haben. Ein fehlender 'Überflieger' erschwert die Medaillenaussichten.

Hoffnungsträger im eisschnelllauf und neue talente

Der Eisschnelllauf erlebt eine Talsohle. Die letzte Medaille gab es hier 2010. Nun ruhen die Hoffnungen auf dem jungen Finn Sonnekalb (18 Jahre), einem vielversprechenden 1000- und 1500-Meter-Läufer. Olympiasiegerin Anni Friesinger-Postma schwärmt von ihm als einem „Juwel“. Die generelle Förderung ist zwar vorhanden, aber in vielen Disziplinen fehlt es an ausreichend erfolgreichen Athleten.

Die medaillenprognose und finanzielle anreize

Die Sport BILD-Prognose geht von acht Goldmedaillen aus: je dreimal im Bob und Rodeln sowie je einmal im Ski Freestyle und Snowboard. Zusätzlich werden 14 Silber- und 14 Bronzemedaillen erwartet. Mit insgesamt 36 Edelmetallen wäre Deutschland so breit aufgestellt wie seit 2002 in Salt Lake City nicht mehr. Die Medaillenprämien wurden zuletzt 2014 erhöht: 30.000 Euro für Gold, 20.000 Euro für Silber und 10.000 Euro für Bronze, nun steuerfrei.

Internationale vergleiche und staatliche förderung

Im Vergleich dazu zahlt Italien für Gold 180.000 Euro, Frankreich 80.000 Euro (steuerpflichtig) und die USA rund 32.000 Euro. Deutschland investiert 1,05 Milliarden Euro in den Sport (2025), wovon 360 Millionen Euro direkt dem Spitzensport zugutekommen. Der Bob- und Schlittenverband (BSD) erhält 27,6 Millionen Euro, der Skiverband (DSV) 18,2 Millionen Euro und der Snowboardverband (SVD) 11,7 Millionen Euro.

Zukunftsperspektiven und reformen

Die Bundesregierung plant, die Sportförderung gesetzlich zu festschreiben und eine unabhängige Spitzen-Sportagentur zu gründen. Ziel ist es, in der Nationenwertung bei Winterspielen zu den Top 3 und bei Sommerspielen zu den Top 5 zu gehören. Der Gesetzentwurf befindet sich derzeit in der Abstimmung und soll voraussichtlich im April in den Bundestag eingebracht werden. Effizienz, Effektivität und Bürokratieabbau sind dabei zentrale Punkte.