Deutschland gegen dänemark: 10 jahre fluch soll in köln enden
Zehn Jahre hat es gedauert. Zehn Jahre, seit die deutschen Handballer das letzte Mal gegen Dänemark gewannen. Am 17. Mai droht in der Kölner Lanxess-Arena die nächste Demütigung – oder die Erlösung.

Die kathedrale wird zur schicksalsarena
Die Zahlen sind brutaler als jede Analyse: 14 Niederlagen in Serie gegen die Skandinavier, drei Titel auf einmal bei den Nordmännern (Olympia, WM, EM), ein deutscher Sieg hingegen nur noch aus dem Jahr 2013. Jetzt, wo Köln zur Endrunde der Heim-WM 2027 auserkoren ist, liefert der Deutsche Handball-Bund seinen Fans einen Vorgeschmack – und zwar den härtesten denkbaren.
Mark Schober, DHB-Vorstandschef, spricht euphorisch von einem „Kracher“. Die Worte klingen wie ein Schulterschluss vor dem Sturm: „Wir wollen unserer Mannschaft zeigen, dass sie nicht allein ist.“ Dabei wissen alle Beteiligten: Die Partie ist mehr als ein Test. Sie ist ein Seismograph für den Zustand des deutschen Handballs.
Denn hinter den Kulissen brodelt es. Bundestrainer Alfreð Gíslason muss ohne seine Kreisläufer-Legende Johannes Golla auskommen, dessen Kreuzbandriss die WM-Planung durcheinanderwirbelt. Die jungen Riesen wie Juri Knorr und Renars Uscins sollen nun Reife beweisen, während die Dänen mit Mikkel Hansen und Mathias Gidsel eine Offensive fahren, die selbst französische Abwehrmauern einstürzen lässt.
Die Arena selbst wird zur Zeitmaschine. 2007 jubelte Deutschland hier über den WM-Titel – seither wartet eine ganze Generation auf den nächsten großen Coup. 15.30 Uhr ist Anpfiff, Tickets gibt es ab Freitag, 27. März, 12 Uhr. Wer danach noch eines ergattern will, muss Glück haben: 14.000 Plätze, 14.000 Hoffnungen.
Die dänische Dominanz ist längst ein psychologisches Korsett. Sobald das deutsche Team in Führung liegt, schleicht sich das Gedächtnis der vergangenen Pleiten ein. Die letzte Sekunde des Olympiafinales 2024, als Knorrs Wurf am Pfosten zerschellte, ist eingraviert. Nun droht dieselbe Bühne, dieselben Gesichter, dieselbe Frage: Schafft Deutschland endlich den Befreiungsschlag?
Ein Sieg würde nicht nur die Serie beenden, sondern dem DHB monatelweise Planungssicherheit für den WM-Kader geben. Eine Niederlage hingegen würde die Zweifel wieder aufleben lassen: Fehlt es an Tempo, an Kreativität – oder schlicht an der mentalen Härte, um mit dem Weltmeister mitzuhalten?
Die Antwort gibt es am 17. Mai live in der Lanxess-Arena. Tickethalter wissen: Sie werden Zeuge eines Spiels, das mehr ist als Handball. Es ist ein Schlagabtausch zweier Philosophien – nordische Coolness gegen deutsche Wiedergeburt. Und vielleicht, nur vielleicht, endet ein Jahrzehnt des Frusts mit dem Schlusspfiff um 17.15 Uhr.
