Derby der verlierer? jena und weißenfels zocken ums überleben
Am Samstag explodiert die Jenaer Arena: 3.000 Fans, ein Kessel, ein Saisonfinale. Science City empfängt den Syntainics MBC – beide Klubs bangen ums BBL-Bleiberecht, beide haben gerade erst die Kurve gekriegt. Wer verliert, rutscht ans Abgrundrand.
Sechs punkte sind kein polster
Jena steht auf Platz 14, sechs Zähler über der Roten Laterne. Klingt komfortabel, ist es nicht. Die Thüringer verpassten den Saisonstart, kassierten 13 Niederlagen in Serie, verloren ihren Leitwolf Great Osobor. Dann kam der Januar-Knaller in Weißenfels: 87:83, dank einer 14:0-Schlussphase. „Seit diesem Abend glauben wir wieder“, sagt Guard Lorenz Bank. Die Statistik bestätigt’s: Danach holte Jena vier Siege aus sieben Spielen, zuletzt ein 96:90 gegen Oldenburg, das niemand erwartete.
Doch der MBC antwortet. Milenko Bogojevic löste den Coach-Wechsel aus, stoppte die 13-Spiel-Pleite-Reihe mit einem 81:78 gegen Alba Berlin. In der ENBL steht der Klub im Halbfinale, das Selbstvertrauen kehrte zurück. „Wir haben nichts zu verlieren“, sagt Bogojevic. Sein Bord: Andrew Harrison und Nemanja Duric, zwei Neuimports mit NBA-Erfahrung. Sie sollen Jenas Turbo-Tempo bremsen, das mit 92 Punkten pro Spiel zur schnellsten Offense der Liga zählt – aber auch mit 14,5 Ballverlusten pro Partie.

Neue gesichter, alte rivalität
Die Personal-Rochaden sind ein Schlüssel. Jena holte mit Uchenna Iroegbu einen Aufbauspieler, der in Gießen schon bewies, dass er Crunchtime erträgt. Dazu kommen William McNair und Javon Franklin, zwei Athletic-Forward, die das defensive Rebounding stabilisieren sollen. „Wir wollen nicht nur überleben, wir wollen bleiben“, sagt Coach Björn Harmsen, der selbst zweimal in Weißenfels saß. Sein Gegenpart Bogojevic warnt vor Jenas Tempo: „Wenn wir mitlaufen, verlieren wir. Wir müssen die Pace diktieren, sonst ertrinken wir.“
Die Zahren liefern die Dramatik: Bei einem Jena-Sieg wäre der Vorsprung auf neun Punkte gewachsen, bei einer Niederung schrumpft er auf drei. Der MBC hätte dann ein Spiel mehr auf dem Konto – und die Momentum-Seite. „Der Druck ist auf beiden Seiten gleich groß“, sagt Bank. Die Fans spüren’s: Tickets waren nach 48 Stunden weg, auf dem Schwarzmarkt werden 120 Euro fürs Stehband verlangt.

Derby bedeutet mehr als zwei punkte
In Thüringen und Sachsen-Anhalt zählt dieses Duell seit Jahren als „kleines Finale“. 2017 gewann Weißenfels den Pokal, Jena stieg 2021 auf. Beide Male war der regionale Stolz größer als die Tabelle es erlaubte. Jetzt droht dem Verlierer der Absturz in die ProA – finanziell ein Schock, der bis zu drei Millionen Euro Mindereinnahmen bedeutet. „Wir spielen um Existenz, nicht um Platzierung“, sagt MBC-Manager Silvio Schulz.
Die Partie wird live im MDR übertragen, die Quote dürfte Rekordniveau erreichen. Für die Spieler ist es die reinste Gladiatoren-Atmosphäre: 40 Minuten, keine Timeout-Werbung, nur das Brummen der Menge. „Wenn du hier nichts zu feiern hast, bist du im falschen Job“, sagt Harmsen. Und Bank ergänzt: „Wir wissen, dass ein Sieg uns fast rettet. Aber wir wissen auch: Der MBC wird alles reinhauen, was er hat.“
16 Uhr, Sprungball. Dann entscheidet sich, wem die Saison noch ein Happy End beschert – und wer den bitteren Weg in die zweite Liga antreten muss. In Jena wartet man seit 17 Jahren auf einen Derby-Doppelpack. Die Chance ist jetzt. Die Uhr läuft.
