De zerbi flüchtet aus marseille – champions-league-traum wird zum albtraum

Roberto de Zerbi ist weg. Nach nur 18 Monaten verlässt der Italiener den Olympique Marseille – und hinterlässt einen Klub, der zwischen Ekstase und Bürgerkrieg schwankt.

Die Zahlen lügen nicht: 14 Jahre wartete Marseille auf einen Titel, und genau diesen sollte der ehemalige Sassuolo-Coach liefern. Mit 61,9 Prozent Siegquote – Rekord in der Ära nach 2000 – führte er die OM zurück in die Champions League. Die Fans liebten ihn. Dann kam der Knall.

Spieler drohten mit meuterei

Was in den Katakomben des Stade Vélodrome passierte, klingt nach Filmstoff. Spieler sollen den Trainer boykottiert haben. Ein Streit mit Alessandro Grandesso, heute schon Milan-Verteidiger, eskalierte. Die Kabine teilte sich in Lager auf. Der Vorstand reagierte – mit Schweigen. Kein offizielles Statement, nur ein „interne Angelegenheit“-Kommentar. Doch das Pulverfass war entzündet.

De Zerbi, sonst ein Feuerwerk an Taktikvokabeln und Leidenschaft, wurde still. Trainingseinhehen abgesagt, Pressekonferenzen abgebrochen. Die Ligue-1-Spielzeit lief noch, doch der Coach war längst mental in Mailand. Die Trennung im Februar folgte einem einzigen Gesetz: Rette, wer kann.

Champions-league-ticket als pyrrhussieg

Champions-league-ticket als pyrrhussieg

Die UEFA-Ziehung versiegelte sein Erbe: Marseille steht in der Gruppenphase, doch der Preis ist ein desolater Kader. Pierre-Emerick Aubameyang, 34, blieb als letzte Lebensversicherung. Der Rest? Verjüngung plus Talente aus der zweiten Garde. Die Bookies sehen OM außerhalb der Top drei – zum ersten Mal seit zehn Jahren.

Ein Insider flüsterte: „Wir haben die Seele verkauft, um das Herz zu retten.“ Die Aussage trifft den Nagel auf den Kopf. Ohne De Zerbi fehlt nicht nur die Spielidee, sondern die Autorität, die selbst ein Präsident wie Pablo Longoria nicht ersetzen kann.

Die Causa De Zerbi wird Frankreichs Fußballakademien beschäftigen. Wie zerbrechlich ist Kredit, wenn Stars rebelliere? Wie viel Macht hat ein Trainer, wenn die Kabine lauter wird als die Kurve? Die Antwort steht in Marseille schwarz auf weiß: Rekordbilanz hin oder her – wenn der Glaube bröckelt, fliegt selbst ein Champion-League-Held raus.

Mit 48 Stunden Abstand meldete sich De Zerbi zurück – in der San Siro-Pressestube. „Ich habe gelernt, dass Leidenschaft nicht reicht“, sagte er und lächelte schief. Die OM-Anhänger werden das Zitat auf Bannern drucken und es nie verzeihen. Die Bilanz bleibt: ein Jahr Halbfinale, ein Jahr Offenbarung. Und ein Titel, der nie gekommen ist.