De ketelaere: vom mailänder schatten zum atalanta-leuchten – und zur wm-chance?
Charles De Ketelaere – der Name hallte im Sommer 2022 noch nach großem Potenzial wider, als der AC Mailand ihn für eine beträchtliche Summe aus Brügge verpflichtete. Doch in Mailand fand der junge Belgier nicht sein Glück. Nun scheint er unter Gian Piero Sarri in Bergamo aufzublühen – und könnte sich sogar einen Platz im belgischen WM-Kader erkämpfen.
Die taktische renaissance im bergamasker trikot
Rudi Garcia, der belgische Bondscoach, experimentiert derzeit mit einer ungewöhnlichen Rolle für De Ketelaere: dem „falschen Neun“. Ein taktischer Schachzug, der überrascht, da traditionelle Mittelstürmer wie Romelu Lukaku und Matias Fernandez-Pardo zur Verfügung stehen. Doch De Ketelaere hat in den Testspielen, besonders gegen Tunesien, eindrucksvoll bewiesen, dass er diese Aufgabe mit Intelligenz und Torgefahr meistern kann. Er ist nicht nur in der Lage, selbst zu treffen, sondern auch, Räume für seine Mitspieler zu schaffen – eine Eigenschaft, die er bereits in Bergamo unter Beweis gestellt hat.
Die Saison in Mailand war für De Ketelaere enttäuschend verlaufen. Verletzungen und eine unflexible Positionierung trugen zu einer schwächeren Leistung bei. Doch in Bergamo scheint er den idealen Rahmen gefunden zu haben, um sein Talent voll auszuschöpfen. Sarri erkennt die Vielseitigkeit des jungen Belgers, der sowohl als Trequartista als auch als hängende Spitze agieren kann. Und genau diese Flexibilität könnte ihm auch im Nationalteam zugutekommen.

Sarri und die taktische bandbreite: mehr als nur 4-3-3
Gian Piero Sarri ist bekannt für seine taktische Flexibilität und scheut sich nicht, von seinem bevorzugten 4-3-3 abzuweichen. In Bergamo könnte er mit Formationen wie 4-3-1-2 oder 4-2-3-1 experimentieren, in denen De Ketelaere von der rechten Seite ins Zentrum ziehen und dort seine Qualitäten unter Beweis stellen könnte. Die Zahlen sprechen für sich: In 32 Einsätzen für Atalanta erzielte De Ketelaere 32 Tore und bereitete 31 vor – ein beeindruckender Wert, der seine offensive Gefahr unterstreicht.
Doch die Konkurrenz in Bergamo ist groß. Gianluca Scamacca und Nikola Krstovic, die besten Torschützen der letzten Saison, stehen ihm im Weg. Dennoch könnte Sarri in De Ketelaere eine wertvolle Alternative sehen, insbesondere wenn er taktische Variabilität in sein Spielsystem integrieren möchte.
De Ketelaere selbst betont seine Verbundenheit zum Verein: „Ich habe großen Respekt für meinen Verein, ich habe noch einen Vertrag für einige Jahre und fühle mich hier wohl.“ Er hat in Bergamo eine ideale Umgebung gefunden, um sein Talent zu entfalten, und das Vertrauen des Vereins genießt er in vollem Maße. Seine Entwicklung von einem verunsicherten Spieler in Mailand zu einem Schlüsselspieler in Bergamo ist bemerkenswert.
Die bevorstehende Weltmeisterschaft in Katar bietet De Ketelaere die Chance, sich endgültig zu beweisen. Mit Lukaku, der an seiner Form arbeitet, und Fernandez-Pardo, der bisher nur wenig Spielzeit erhalten hat, könnte De Ketelaere im ersten Gruppenspiel gegen Ägypten sogar in der Startelf stehen. Ob er diese Chance nutzen kann, wird zeigen, ob er sich endgültig als einer der Hoffnungsträger des belgischen Nationalteams etabliert.
Die Zeichen stehen gut für Charles De Ketelaere. Er hat in Bergamo gelernt, sich neu zu erfinden, und scheint bereit zu sein, den nächsten Schritt in seiner Karriere zu machen. Sarri hat einen Spieler im Kader, der nicht nur Tore schießen, sondern auch das Spiel lenken kann – ein unschätzbarer Wert für jede Mannschaft.
