De bruyne und lukaku: letzter tanz für die belgische "goldene generation"
Houston, Texas – Die Luft knistert vor Erwartungen und dem unausgesprochenen Druck einer Ära, die ihren Höhepunkt erreichen will. Kevin De Bruyne und seine Mitstreiter, die Veteranen der belgischen Nationalmannschaft, haben genug von Silber und Bronze. Diesmal soll es Gold sein – oder eben gar nichts mehr.
Ein abschiedstournee mit ansage
Rudi Garcia hat eine klare Ansage gemacht: Die Rhetorik der vergangenen Turniere, das ewige Lamentieren über verpasste Chancen, ist tabu. Die "Goldene Generation" – mit Spielern wie De Bruyne, Lukaku, Courtois und Witsel – steht vor ihrem wahrscheinlich letzten großen Auftritt. Der Napoli-Star selbst äußerte sich bereits: "Ich weiß, dass ich solche Turniere nicht mehr oft erleben werde." Diese Erkenntnis scheint die Mannschaft zu beflügeln, denn der Wunsch nach dem Titel ist greifbarer denn je.
Die Bilanz der letzten Jahre liest sich zwar beeindruckend, doch letztlich enttäuschend: Dritter Platz bei der WM 2018 in Russland, Viertelfinale in Brasilien 2014, Gruppenphase in Katar 2022, sowie immer wiederholt das Viertelfinale bei Europameisterschaften. Die individuellen Leistungen der Spieler bei ihren Vereinen waren regelmäßig herausragend, doch im Nationalteam fehlte es oft an der entscheidenden Durchschlagskraft.
Courtois, mit 109 Einsätzen ein Rekordmann, deutete nach den Trainingslagern an, dass er nach diesem Turnier möglicherweise seine Karriere im Nationalteam beenden könnte. Ein Abschied mit dem Titel wäre natürlich der perfekte Abschluss einer außergewöhnlichen Karriere.

Die last der erwartungen und das seattle-experiment
Das Trainingslager in Seattle dient nicht nur der sportlichen Vorbereitung, sondern auch der mentalen Stärkung. De Bruyne und Lukaku suchen den Blickkontakt, die Ermutigung, denn die Last der Erwartungen ist enorm. Die Verletzung De Bruynes im Saisonverlauf war ein deutlicher Rückschlag, aber er scheint nun wieder in Topform zu sein. Lukaku hingegen kämpft mit den Nachwirkungen seiner turbulenten Saison und den öffentlichen Auseinandersetzungen mit seinem ehemaligen Trainer Conte. Garcia setzt vorerst auf Jonathan De Ketelaere als falsche Neun, eine taktische Neuerung, die das Spiel der Mannschaft verändern könnte.
Auch die jungen Talente wie Jeremy Doku, der mit seinen Dribblings für Furore sorgen soll, stehen vor der Herausforderung, sich in der "Goldenen Generation" zu behaupten. Doku hat zwar bereits mehrfach sein Potenzial angedeutet, doch ihm fehlt es bislang an der Konstanz und dem Torinstinkt, um eine Führungsrolle einzunehmen.
Und dann ist da noch das Wetter. Mit Temperaturen von über 34 Grad Celsius droht am morgigen Auftaktspiel gegen Ägypten eine Hitzeschlacht. Das Stadion mag klimatisiert sein, doch die Bedingungen werden alles andere als ideal sein. Dennoch will man sich nicht beschweren. Nach allem, was diese Mannschaft durchgemacht hat, ist ein bisschen Hitze das geringste Problem.
Die Ausgangslage ist klar: Die belgische Nationalmannschaft hat nichts zu verlieren und alles zu gewinnen. Die Zeit der Versprechen ist vorbei. Es zählt nur noch der Titel – oder die Erkenntnis, dass eine Ära zu Ende geht, ohne ihren Zenit erreicht zu haben. Der Druck ist enorm, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Die Welt wird zusehen, ob die "Goldene Generation“ ihre letzte Chance nutzt.
