Dbb-frauen zerlegen kolumbien – hartmanns 17 punkte lösen fehlstart-angst aus
Die Nacht nach
der 63:85-Demütigung gegen Frankreich war kurz, der Schlaf darin ohnedies unruhig. Was folgte, war keine einfache Pflichtaufgabe, sondern ein Seelenbalsam mit klarer Botschaft: Deutschland schlägt Kolumbien 78:57 und kratzt an der Patina der Zweifel.Alina Hartmann traf wie ein Automat, warf 17 Punkte, nagelte Dreier, als stünde sie im leeren Parkett von Weißenfels, nicht im Hallenstadion von Villeurbanne. Ihre Worte nach dem Viertelfinale gegen Frankreich klangen noch nach wie Schleifspäne: „Wir hatten schwere Beine, die Niederlage steckte in uns.“ Gegen Kolumbien wirkten dieselben Beine wie aufgedreht.
Lange testet ohne stars – und findet antworten
Ohne Satou Sabally, ohne Marie Gülich, ohne Luisa Geiselsöder – drei Stammkräfte, die gemeinsam 47 WM-Einsätze und unzählige TV-Minuten mitbringen. Doch statt Jammern zeigte das neue System Tempo, das neue System zeigte Tiefe. Drei Akteurinnen landeten im zweistelligen Bereich, die Defense limitierte Kolumbien auf 31 Prozent Feldwurfquote. Bundestrainer Olaf Lange rotierte konsequent, ließ Sekundenpressung und Switch-Everything-Prinzip einüben – Trainingseinheiten, die sonst erst in Berliner Abendstunden folgen.
Die Zahlen wirken wie ein Befreiungsschlag: 42:31 zur Pause, 19 Fast-Break-Punkte, nur 9 Ballverluste. Deutschland steht nun bei 3:1 Siegen in der Quali, obwohl der Automatismus als Gastgeber längst gesichert ist. Es geht also nicht ums Ticket, sondern ums Selbstbild.

Nächster gegner nigeria – letzter prüfstein vor berlin
Am Dienstag um 17.00 Uhr (live auf MagentaSport) folgt Nigeria, Athletinnen mit NBA-Length und NCAA-Erfahrung. Ein Sieg würde die Mini-Serie auf 4:1 hieven, würde Selbstvertrauen in die Gruppenphase der Heim-WM tragen. Hartmann blickt nach vorn: „Wir wollen vor Berlin noch einen Schritt nachlegen, die Rotation festigen und die Dreierquote über 38 Prozent halten.“
Die DBB-Frauen haben die Franzosen-Blues abgelegt, die Skepsis der Analysten zerstreut. In 167 Tagen rollt der Ball in der Mercedes-Benz-Arena – und das Team von Olaf Lange zeigt: Es ist bereits wach, längst hungrig und bereit, eine Nation hinter sich zu versammeln. 78:57 klingt nach Routine, ist aber die lauteste Ansage seit Wochen.
