Davos jubelt, nussbaumer fällt: playoff-triumph mit bitterem beigeschmack

Die Luft im Vaillant Arena war noch vom Champagnerdampf durchzogen, da stand Josh Holden schon wieder mit hängenden Schultern da. Der HCD hatte soeben mit einem 4:2 gegen Zug das Halbfinal-Ticket gelöst – und Sekunden später die Nachricht von Valentin Nussbaumers Kreuzband-Aus erhalten. 50 Spiele, 31 Punkte, drei Playoff-Scorerpunkte. Weg.

Der preis des sieges

Es war jene Szene, die keiner der 6.300 Zuschauer richtig wahrnahm. Zweite Drittel, 34:12 Minuten. Nussbaumer presst am eigenen Bullypunkt, dreht sich, bleibt liegen. Kein Schlag, kein Check – nur das dumpfe Gefühl, dass etwas in seinem linken Knie wegrast. Die Diagnose nach der Partie: kompletter Innenbandriss, Operation notwendig, Saison vorbei.

Für den HC Davos ein Schock, denn der 24-jährige Waadtländer war in dieser Serie zum Lebensversicherer mutiert. In den fünf Spielen gegen Zug lag seine Plus/Minus-Quote bei +4, nur Sven Ryser sammelte mehr Scorerpunkte. „Val ist kein Spieler, den du einfach ersetzt“, sagte Holden mit zerschlissener Stimme. „Er trägt unsere Powerplay-Formation, killt Penalties, ist der erste am Board, wenn’s brennt.“

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Ohne Nussbaumer erzielte Davos in der Hauptrunde nur 2,4 Tore pro Spiel – mit ihm 3,1. Die Drop-off-Rate bei den Schweizer Top-Scorern liegt bei 26 %. Das ist kein kleiner Riss, das ist eine Achillesferse, die jetzt offenliegt.

Holdens plan b

Holdens plan b

Die Lösung? Keine. Holden wird Calvin Thürkauf eine Reihe höher schieben und auf die verletzte Eishaut hoffen. Dabei ist der Coach selbst ein Realist: „Wir können Val’s 17 Minuten Eiszeit nicht aufteilen. Wir müssen neu erfinden, wie wir über die neutrale Zone kommen.“ Die nächste Aufgabe: Genf-Servette, ein Gegner, der gerade seinen eigenen Superstar Daniel Winnik zurückbekommen hat.

Die Playoff-Ära Davos lebt von Momenten, in denen sich das Schicksal dreht. 2011 das Wunder von Bern, 2015 der Penalty-Krimi gegen den HCB. Jetzt also dies: ein Triumph, der nach Metall schmeckt. Die Meisterschaft war nie näher – und nie entfernter.