Dacia sandero wird erwachsen: 120 ps, doppelkupplung, 1600 km reichweite
Die Dacia Sandero schlägt zurück – und zwar mit Zahlen, die selbst Premium-Konkurrenten stutzen lassen: 120 PS aus dem neuen Dreizylinder-Turbo, 1.600 Kilometer Reichweite, ein Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe, serienmäßig. Preis ab 19.100 Euro. Punkt.
Mehr power, keine kompromisse
Der 1,2-Liter-Benzin-/GPL-Motor leistet jetzt 120 statt 100 PS, das Drehmoment klettert auf 197 Nm. Die Leistungsspritze kommt nicht von irgendwo: Renaults Turbo-Updates sind in den letzten Jahren so konsequent wie leise erfolgt – und jetzt steckt auch in der günstigsten Hausmarke dieselbe Technik, die sonst nur in teureren Modellen zu finden ist. Das Gewicht? Kaum höher als zuvor: 1.205 kg bei der Stepway-Version. Das merkt man beim Sprint auf 100 km/h: 10,1 Sekunden, Topspeed 170 km/h. Für eine Bifuel-Kleinwagen-Limousine ein Wert, der vor fünf Jahren noch für Diesel-Golf-Varianten reserviert war.
Interessant: Die 20 Extra-PS spürt man besonders unten im Drehzahlband. Stadtstart, Überholmanöver, Lastwechsel – alles geht jetzt eine Spur entschlossener. Dabei bleibt der Verbrauch laut WLTP bei 5,7–5,9 l/100 km auf Benzin und 7,2–7,5 l/100 km auf Autogas. Rechnet man den deutschen Super-Preis gegen den GPL-Tarif um, liegt der Energiekosten-Vorteil bei rund 35 Prozent – eine Kostenersparnis, die sich auf Jahresfahrleistungen von 15.000 km schnell in vierstellige Beträge verwandelt.
Neue optik, neues gehirn
Die Front wurde komplett überarbeitet: LED-Lichtsignatur in Form eines umgedrehten „T“, ein markanter Grill mit horizontalen Quadratelementen und ein Stoßfänger aus Starkle-Kunststoff, der zu 20 Prozent aus Recycling-Material besteht. Kratzfest, winterfest, parkplatz-resistent – ein Detail, das genau die Zielgruppe anspricht, die Sandero seit Jahren liebt: Flotten, Handwerker, Familien, die ein zweites, unverwüstliches Auto brauchen.
Im Cockpit dominiert der 10-Zoll-Touchscreen. Dahinter steckt Renaults OpenR-Link-System mit Google-Diensten integriert – Navigation, Sprachsteuerung, Over-the-Air-Updates. Das Kombiinstrument ist ebenfalls digital, 7 Zoll, farbig. Dazu kommt ein erweitertes ADAS-Paket: Notbremsassistent mit Erkennung von Fußgängern, Radfahrern und Tieren, Müdigkeitserkennung, Spurhalteassistent. Features, die vor zwei Jahren noch die Ausnahme in der Klasse waren, sind nun Serie – und das bei einem Basispreis, für den manche Konkurrenten allein den Assistenten-Paket-Aufpreis verlangen.

1600 Km mit einer tankfüllung – wie geht das?
Geheimnis ist der neue 50-Liter-Gastank, der ins Unterboden-Konzept integriert wurde. Früher waren es 40 Liter, und der Kofferraum musste Federn lassen. Jetzt nicht mehr: 370 Liter Volumen bleiben erhalten, zugeklappt wachsen sie auf 1.455 Liter – genug für zwei Europa-Cartons oder den Wochenendeinkauf der vierköpfigen Familie. Addiert man Benzin- und Gasreichweite, kommt Dacia auf 1.600 Kilometer. Theoretisch könnte man damit von Dortmund nach Barcelona und wieder zurückfahren – ohne Zwischenstopp. Praxiswerte dürften bei 1.300 km liegen, was immer noch bedeutet: ein Tankvorgang pro Monoatswechsel für Pendler.

Fahrbericht: leicht, direkt, erstaunlich kultiviert
Erste Testrunde bei Nizza: Start auf Benzin, automatischer Wechsel auf Gas ab 20 km/h, kaum spürbar. Das EDC-Getriebe schaltet butterweich, per Schaltwippen lässt sich manuell eingreifen – ein Spielchen für Nebenstraßen. Bei 50 km/h und 1.500 U/min hält sich der Dreizylinder zurück, als wüsste er um seine Sparpflicht. Lenkung? Direkter als je zuvor, aber immer noch typisch Dacia-leicht – Parkmanöver mit einem Finger. Auf Landstraßen neigt die Karosse zu spürbaren Nickbewegungen, doch das ist Programm: Komfort vor Sport. Dämpfer und Federn sind weich abgestimmt, was bei schlechter Straßenqualität zahlt. Wer sich sportlich austoben will, muss mit dem Gedanken leben, dass ESP früh eingreift – Sicherheit vor Spaß.

Marktposition: kann sie die krone behalten?
2024 war Sandero erneut das meistverkaufte Modell Europas – 301.000 Neuzulassungen, plus 12 %. Der Grund: Preis, Raum, Wertigkeit. Doch der Wettbewerb schläft nicht. Citroën C3, Fiat Grande Panda, Kia Picanto – alle frisch aufgelegt, alle mit Hybrid- oder Mild-Hybrid-Technik. Dacia antwortet nicht mit teurer Vollhybridisierung, sondern mit der konsequenten Weiterentwicklung der Bifuel-Philosophie: günstiger Einstieg, niedrige Betriebskosten, solide Technik. Strategisch klug: In Osteuropa und Südwesteuropa, wo die GPL-Infrastruktur dicht ist, wird Sandero 2026 voraussichtlich die 400.000-Einheiten-Marke knacken. Und in Deutschland? Wenn die Politik die geplante CO₂-Besteuerung auf Flüssiggas nicht verschärft, könnte der Anteil an den Dacia-Verkäufen auf 30 % steigen – heute sind es 18 %.
Fazit: Die neue Sandero ist kein Quantensprung, sondern eine Versiegelung der Vorherrschaft. Mehr Leistung, mehr Technik, mehr Reichweite – bei nahezu gleichem Preis. Wer Wert auf Imagepflege legt, wird weiter zum VW Polo greifen. Wer auf Zahlen schaut, wird um diese Dacia nicht herumkommen. 19.100 Euro für 120 PS, Doppelkupplung, 1.600 km Reichweite – das ist keine Alternative mehr, das ist ein Angebot, das sich selbsttragend macht. Die Krone bleibt, wo sie ist: auf dem Kopf eines unverwüstlichen Rumänen.
