Cupra und seat feiern rekordzahlen – doch die gewinne schmelzen dahin
586.300 Autos lieferten Seat und Cupra 2025 aus, so viele wie nie zuvor. Der Lohn: ein operativer Gewinn von gerade einmal einer Million Euro. Ein Kurssturz um 99,8 Prozent. Die Zahlen sind ein Schlag ins Kontor des spanischen VW-Ablegers – und ein Vorgeschmack auf die Preise, die europäische Hersteller für die E-Mobilität zahlen.
Markus haupt nennt das "investitionsloch" – die analysten nennen es "blutbad"
Der CEO spricht von einem „Jahr der Zwiespaltigkeit“. Den Kunden liefert er Rekordwachstum: rein elektrische Cupra- und Seat-Modelle legten um 65,9 Prozent zu, Plug-in-Hybrids sogar um 62,9 Prozent. Doch jede zusätzliche Kilowattstunde frisst Kapital. 1,3 Milliarden Euro steckte das Duo 2025 allein in neue Batterielinien, Software-Updates und die MEB21-Plattform. Die spanische Produktionsstandort Martorell verwandelt sich in ein riesiges Testlabor für die Elektro-Offensive des VW-Konzerns – auf Kosten der kurzfristigen Rendite.
Die Gewinnspanne brach auf 0,006 Prozent des Umsatzes ein. Patrik Andreas Mayer, Finanzvorstand, rechnet vor: „Jedes zusätzliche Fahrzeug kostete uns 2025 im Schnitt 2.200 Euro operative Substanz.“ Hauptfresser: Importzölle auf chinesische Zellen, gestiegene Rohstoffpreise und rabiate Preiskämpfe auf dem europäischen Kompakt-SUV-Segment. Dazu kommt die Startphase der Batteriefabrik nahe Barcelona, die erst 2026 ihre Soll-Auslastung erreicht.
Vier neue e-modelle sollen den bogen spannen – spanien wird zur e-zentrale
Die Strategie lautet: Skalierung vor Margen. Auf der MEB21-Baugruppe entstehen künftig der Cupra Raval, der Volkswagen ID.Polo, der ID.Cross und der Škoda Epic. Alles Kleinwagen und Kompakte, alles Modelle mit Preisen unter 30.000 Euro. Die Plattform verwandelt Martorell in eine europäische E-Fabrik neben Zwickau und Wolfsburg. „Unser Ziel ist klar“, sagt Haupt: „2027 wollen wir 400.000 Batterien pro Jahr bauen, 80 Prozent für den Export in die EU.“
Die Cupra Raval feiert am 9. April Weltpremiere – ein 3,90-Meter-Flitzer mit 231 PS und 440 Kilometern Reichweite. Sie soll den Marktanteil der Marke auf drei Prozent in Europa treiben. In Deutschland liegt Cupra bereits bei 3,8 Prozent, in Dänemark bei 4,1. Die Tavascan-Lounge-SUV-Version, künftig zollfrei aus China importiert, und die überarbeitete Born sollen zusätzliche 120.000 Einheiten jährlich einbringen.

2030 Steht die rechnung: sechs prozent marge oder aus
Seat und Cupra haben sich Vorgaben gesetzt: 15 Prozent weniger Fixkosten, 10 Prozent geringere Materialkosten, 20 Prozent mehr Erlös pro Fahrzeug. Bis dahin will das Management die Marge auf sechs Prozent hochschrauben – ein Wert, den VW-Marken sonst nur in der Oberklasse erzielen. „Wenn wir das schaffen, ist Cupra die profitabelste Neumarken-Story der 2020er“, sagt Haupt. Scheitert das Projekt, droht dem Werk Martorell das Schicksal von Opel Bochum: Lichter aus, Maschinen weg.
Die Analysten bleiben skeptisch. „Seat und Cupra springen über ihr Schatten, aber die Landung ist offen“, kommentiert Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Center Duisburg. Die Kasse ist leer, die Konkurrenz aus China liefert bereits für 20.000 Euro E-Autos mit 500 Kilometern Reichweite. Die Antwort der Spanier lautet: Kosten senken, Zulieferer verlagern, Software selbst entwickeln. 2026 entscheidet sich, ob der Rekordlauf von 2025 der Anfang war – oder das letzte Aufbäumen vor dem Durchbruch der asiatischen Konkurrenz.
Die Botschaft ist klar: Seat und Cupra haben den Sprung gewagt, nun zählt nur noch die Flugphase. Erfolg oder Absturz – die Landeklappen sind offen.
