Cruyffs letztes spiel: wie er verstappen den sieg übergab

2. März 2016, Circuit de Barcelona-Catalunya. Johann Cruyff lächelt, obwohl er längst weiß, dass sein Körper 2:0 hinten liegt. Max Verstappen tritt aus dem Toro-Rosso, noch kein Champion, noch kein Mythos. Die beiden Niederländer verschwinden fünf Stunden im Hospitality-Container – ein Gespräch, das später als „Testament des niederländischen Sports“ gelten wird.

Warum cruyff sich in den jungen red-bull-jungen verliebte

Cruyff hatte Verstappen ein Jahr zuvor in Singapore live erlebt, wie der Teenager die Teamorder ignorierte und Carlos Sainz nicht durchließ. „Du hattest recht, du warst schneller“, sagt der Fußballphilosoph. Das war kein Schulterklopfen, sondern die Anerkennung eines Gleichgesinnten: jemand, der Regeln bricht, ohne die Spiele zu respektieren. Cruyff sah sich selbst, 1965, als er gegen das Establishment rebellierte und Total Football erfand. Verstappen fuhr mit 18 gegen die Strategen, die Rennen von der Box aus dirigieren wollen.

Journalist Jaap de Groot arrangierte das Treffen. Geplant waren 30 Minuten, es wurden vier Stunden. Cruyff wollte wissen, wie Verstappen mit Druck umgeht. Verstappen antwortete mit einer Gegenfrage: „Hast du Angst gehabt, zu versagen?“ Cruyff lachte, dann wurde es still. Später sagt er: „Er versteht, dass Größe keine Frage des Talents, sondern der Entscheidungen ist.“

70 Tage später dreht sich das rad

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Am 24. März stirbt Cruyff mit 68 Jahren. Die Niederlande trauert in Orange. Zwei Monate danach, 16. Mai 2016, startet Verstappen von Startplatz eins in Barcelona. Sein erster Sieg, 1:41,40 Min. im letzten Rennabschnitt, wird zur Nationalepos. 80.000 Oranjefans verwandeln Spa 2017 in ein großes Cruyff-Stadion. Alte Nummer-14-Trikots hängen neben neuen Verstappen-Caps. Das ist kein Zufall, das ist ein Pakt.

Cruyffs Manager erzählt hinterher: „Johann wusste, dass er Max nicht mehr als Fan sehen würde. Deshalb hat er ihm die Brille geschenkt. Die, mit der er 1974 die WM spielte. ‚Damit du siehst, was ich nicht mehr sehe‘, sagte er.“ Die Brille steht heute in Verstappens Wohnzimmer, neben dem Pokal von 2016. Ein Stück Perspektive, keine Trophäe.

Seit diesem 2. März 2016 ist Verstappen nicht mehr nur schnell – er ist verantwortlich. Jeder Sieg trägt die Handschrift eines Mannes, der nie einen Formel-1-Wagen fuhr, aber die Logik des Sports neu schrieb. Cruyffs letztes Spiel fand nicht auf dem Rasen statt, sondern in einem Container neben der Strecke. Er endete 2:0 – und die Niederlande gewann.