Conte entzaubert turin: elmas als lebende statue und ein napoli, der nie kapituliert
Antonio Conte lachte nach Abpfiff so, als hätte er gerade gesehen, wie ein eingewechselter Elmas die Punkte mit bloßen Fußsohlen aus dem Feuer holt. Napoli schlug Turin 2:1, zog auf plus acht weg – und der Coach redete wie ein Mann, der endlich wieder Luft bekommt.
Die unverletzten, die nie weg waren
André-Frank Zambo Anguissa und Kevin De Bruyne standen nach Monaten wieder auf dem Rasen, spielten, als hätten sie nur einen Kurzurlaub gemacht. „Es sieht aus, als wären sie nie weg gewesen, aber sie waren es“, sagte Conte und wischte dabei die Absenz-Entschuldigung vom Tisch. Die Supercoppa ist schon im Schrank, die Champions-League-Plätze im Visier – alles ohne Jammern.
Die Wahrheit ist hart: Napoli hat diese Saison schon 38 Spielminuten mit ihrer vermeintlichen Stammmannschaft absolviert. Der Rest war Puzzle. Dennoch: 13 Punkte aus den letzten fünf Liga-Partien. Conte nennt das „Stoff, aus dem Titelfavoriten sind – wenn der Gegner merkt, dass du nicht mal mit dem B-Team nachlässt“.

Elmas, der alleskönner, bekommt fast eine statue
Eljif Elmas lief zum 18. Mal in Serie A hintereinander auf, wechselte diese Woche zwischen Zehner und Doppelsechs, schlug den Ball, der zum Siegtreffer führte. „Für den Jungen würde ich eine Statue bauen“, schwärmte Conte. „Er versteht Fußball wie ein Schachspieler, aber tritt wie ein Boxer zu.“ Die Zahl, die niemand erwartet: Elmas deckte in 90 Minuten 11,2 Kilometer ab – mehr als jeder Turiner.
Daneben wirkte Billy Gilmour wie ein Dirigent, der plötzlich ein Megafon in der Hand hält: 91 Prozent Passquote, 72 Ballaktionen. Die „Gazzetta“ vergab die Note 7,5 – für einen 22-Jährigen, der vor drei Monaten noch in Brighton auf der Bank saß.

Turin bietet angriff, napoli antwort
Turin kam durch einen Duván Zapata-Kopfball heran, doch Contes Defensive ließ danach keinen einzigen Torschuss mehr zu. Die Statistik: Napoli kassierte nach der 70. Minute kein Tor mehr in sieben Partien. Der Gegner mag besser sein, aber Napoli ist gerissen geworden.
Mit McTominay, der kommende Woche ins Training einsteigen soll, rückt der nächste Rückkehrer ins Blickfeld. Conte aber warnt: „Geschenke verteilen wir nicht. Wer hereinkommt, muss sofort liefern.“ Der Trainer sprach das aus, was jeder im Stadion dachte: Die Meisterschaft wird nicht im April entschieden, sondern jetzt, in den Wochen, in denen man mit Notlösungen gewinnt.
Kurz vor Mitternacht stand Conte noch im Mixed-Zone-Tunnel, zog die Kapuze über den Kopf und murmelte: „Wenn wir erst alle zusammen sind, werden einige überrascht sein, wie laut Neapel werden kann.“ Die Aussage klang nicht wie ein Versprechen – eher wie eine Drohung.
