Conte: der umbruch, der italien veränderte – und seine unvergessenen eskapaden

Antonio Conte kam 2014 in eine Nation des Schocks. Nach dem desaströsen WM-Finale in Brasilien suchte der italienische Fußball verzweifelt nach einer neuen Führungspersönlichkeit. Conte, gerade erst von Juventus Turin gekommen, hatte die Aufgabe, eine vernarbte Mannschaft wieder aufzurichten – und das mit einer Mischung aus taktischer Brillanz, unerbittlichem Drill und einem Temperament, das oft an einen wütenden Bären erinnerte.

Die ungewöhnlichen dialoge und das streben nach einigkeit

Conte scheute sich nicht, die alten Mechanismen aufzubrechen. Er forderte – und zwar ungewöhnlich direkt – Gespräche mit allen Bundesliga-Trainern, von Donadoni bis Allegri. Ein ungewöhnlicher Schritt, der in einigen Kreisen für Kopfschütteln sorgte. Der Mann wollte einen Dialog, eine gemeinsame Vision für den italienischen Fußball. “Man muss mehr miteinander reden”, betonte er, in Anspielung auf seine eigenen Erfahrungen mit Prandelli während seiner Zeit in Turin. Die Erinnerung an diese Gespräche, so manche Spieler, war “konstruktiv” – ein Euphemismus für die intensive Auseinandersetzung, die Conte anzettelte.

Seine Forderungen waren klar: Trainingslager im Februar, eine engere Zusammenarbeit zwischen Verband und Ligen, ein Rundgang durch die Vereine – und vor allem: die Abschluss der Meisterschaft am 15. Mai. “Das ist essentiell”, mahnte er Präsident Tavecchio. “Wir brauchen Zeit, um uns auf die EM vorzubereiten. Und das geht nur mit harter Arbeit, nicht durch göttliche Eingabe.” Die Liga spielte aber die Coppa Italia-Final am 21. Mai. Ein kleiner Widerspruch, der Conte offenbar wenig entging.

Von der juve-maschine zur nationalmannschaft: ein neustart

Von der juve-maschine zur nationalmannschaft: ein neustart

Conte kam mit dem Ruf eines Sieger an, frisch von drei aufeinanderfolgenden Scudettos mit Juventus. Die dritte Juve-Mannschaft, so alle einhellig, war die stärkste. Während die erste durch ihren Hunger und ihre Intensität glänzte, basierte die zweite auf einer unübertroffenen Defensivstärke. Die dritte, mit Spielern wie Tévez und Llorente, sowie den bewährten Namen Buffon, Pirlo und Chiellini, setzte auf offensive Power. Die Nationalmannschaft, für Conte, war keine bloße Option – sie war eine Herausforderung, eine Chance, seine Erfolgsgeschichte fortzuschreiben.

Doch der Weg war nicht einfach. Nach nur einem Tag kehrte Conte zu Juventus zurück, ein abgebrochenes Kapitel. “Grazie, Antonio”, hieß es in der Pressemitteilung. “Du warst ein Condottiero. Aber Juve muss weitergehen.” Viele sahen darin eine Folge von Contes unverblümter Kritik an den finanziellen Rahmenbedingungen. “Man kann nicht mit 10 Euro in einem Restaurant für 100 Euro essen”, hatte er gesagt, und damit die Notwendigkeit von Investitionen für den internationalen Wettbewerb betont.

Ein radikaler ansatz und die suche nach der seele

Ein radikaler ansatz und die suche nach der seele

Conte war ein Mann der Extreme. “Verlieren ist wie sterben”, pflegte er zu sagen, und sein Urwutsausbruch, der Schweiß und Blut auf dem Spielfeld symbolisierte, fand Anklang bei vielen. Mario Sconcerti bezeichnete ihn als “Kommissar”, der Italien mehr brauchte als einen reinen Trainer. Er wurde als “radikaler” Coach beschrieben, der das Team in einen “Club” verwandeln und das Interesse der Menschen wecken würde. Ein Vertrag von 4,5 Millionen Euro, gesponsert von einer Marketing-Firma unter der Leitung von Giulia Mancini, unterstrich diesen Anspruch. Die Federazione Italiana Giuoco Calcio sprach von einem “innovativen” Vertrag.

Conte brachte eine neue Mentalität mit. Er ließ Balotelli, den ewigen Problemfall, erst 140 Tage nach dem WM-Debakel wieder in den Kader aufnehmen. “Einer von vielen”, stellte er ihn herab. Er forderte Einsatz und Disziplin.