Chwalinska schreibt märchen: pizza-trio und federer-poetik bis ins finale
Maja Chwalinska beendet das Pariser Kino 2024 mit einem Drehbuch, das sich kein Regisseur ausdenken würde. Die Polin, WTA 114, steht im Einzelfinale von Roland-Garros – neun Siege in Folge, gestartet in der Qualifikation am 18. Mai. Ein Turnierlauf, der längst die Grenzen des Tennisplatzes sprengt.
Depression, pizza und das comeback im bois de boulogne
Nach monatelanger Depression stand sie zuletzt vor dem Karriere-Aus. Dann kam Paris. Ihr Team, abergläubisch bis ins Mark, isst seit drei Wochen täglich dieselbe Pizza – ein Ritual, das Chwalinska belustigt. „Die werden dick, klar, aber es ist ihre Entscheidung“, sagt sie und lacht. Die Zahlen sprechen trotzdem: neun Matches, neun Siege, nur zwei Sätze verloren.
Am vergangenen Donnerstag zerlegte sie im Halbfinale die an Nummer zwei gesetzte Aryna Sabalenka mit 6:2, 6:3. Der Court Philippe-Chatrier tobte, als hätte ein Geist das Mädchen von Rang 114 in eine Königin verwandelt.

„Federer war mein gott – jetzt hoffe ich, dass djokovic ewig spielt“
Chwalinska erzählt von ihrer Kindheit in Plock, wo ihr Vater alte Federer-Matches auf VHS sammelte. „Ich war Roger-Fan Nummer eins. Alles drehte sich um ihn, später Rafa, dann Novak. Ich gebe zu: Ich streame heute noch Nachtsessions und sehe mir alte Finals an – es ist wie Poesie.“ Der Kontrast könnte nicht härter sein: Während Djokovic und Nadal um Legendenstatus kämpfen, schreibt eine 22-Jährige die irrste Geschichte seit Jelena Dokic 1999.
Am Samstag trifft sie im Endspiel auf Iga Świątek. Ein polnisches Finale in Paris – historisch. Für Chwalinska wird das Match nicht nur um den Titel gehen. Es geht um den Abschluss eines Kapitels, das mit Depression begann und mit einem Grand-Slam-Titel enden könnte. Das Märchen hat noch ein letztes Kapitel offen.
