Christian streich springt ins tv-glaskasten: wm-debüt schon beim auftaktspiel
Er jagte jahrelang Gegner auf der Trainerbank, jetzt jagt er Ratings im Fernsehstudio. Christian Streich löst sich vom SC-Freiburg-Klischee und wird bei der WM zum ZDF-Experten – los geht’s am 11. Juni mit Mexiko gegen Südafrika.
Warum der gebürtige badener plötzlich mikro statt marke herausposaunt
Die Antwort ist simpel: Er will erklären, was andere nur beschreiben. „Ich hoffe, die Spielszenen aus Trainersicht so zu erklären, dass dies für die Zuschauer zuhause auch nachvollziehbar und einleuchtend ist“, sagt der 60-Jährige. Kein Fachchinesisch, kein Bla-Bla, sondern Kurzschluss-Analysen direkt vom Spielfeldrand. Dafür schaut er sich schon vorab Freundschaftsspiele an, um Spielerprofile und Automatismen zu entschlüsseln.
Im ZDF bildet er ein ungewöhnliches Trio mit den Ex-Weltmeistern Per Mertesacker und Christoph Kramer. Hinzu kommt Fritzy Kromp, Trainerin von Werder Bremen, die als Frauen-Bundesliga-Expertin taktische Nuancen liefert. Die erste Stressprobe: Mexiko – Südafrika, 21 Uhr, Live. Danach ist Streich am 17. Juni (Doppelpack Portugal vs. DR Kongo und England vs. Kroatien) sowie am 20. Juni (Niederlande vs. Schweden und Deutschland vs. Elfenbeinküste) im Einsatz.

Was ihn von anderen tv-experten unterscheidet
Streich redet nicht über Taktik, er lebt sie. Kein einziges Mal in seinen zwölf Freiburg-Jahren verlor seine Mannschaft die Idee, auch wenn die Personaldecke dünn wurde. Diese Präzision will er ins Studio bringen: Situationsanalyse statt Plattitüden, Eigendynamik statt Effekthascherei. Die Zuschauer bekommen einen Coach, der nichts beschönigt – schon ein vermeintlich harmloser Ballverlust wird zum Lehrstück.
Die Quote? Egalt. Für Streich zählt Erkenntnis. Und vielleicht ein kleines bisschen der Kick, nach dem Finale wieder unerkannt durch Freiburg spazieren zu können, während die Moderatorenkollegen von Selfies erschlagen werden.
Die WM verliert gerade ihren ersten TV-Moment der Saison – und gewinnt eine Stimme, die nicht nur Fachwissen transportiert, sondern vor allem eins: echte Leidenschaft für Fußball statt Boulevard.
