Changan schickt 2,98-liter-auto ins rennen – der hybrid, der keine steckdose braucht

Der chinesische Hersteller Changan nagelt die Verbrauchsmessung mit 2,98 l/100 km an die Wand – und das ohne lästiges Aufladen. Sein neuer Blue-Core-Super-Engine-Hybrid soll BYD und Geely in deren eigenen Revier schlagen: den Stop-and-Go-Städten, wo jeder Tropfen Benzin zählt.

Sechs jahre, 290 millionen dollar, tausend ingenieure

Die Bilanz des Projekts liest sich wie ein Mekka-Film: 163 Patente, zwei Millionen Testkilometer auf 70 Straßenbelägen, Einspritzdruck von 500 Bar. Ergebnis: ein kompakter SUV, der sich im Stadtverkehr wie ein Elektroauto anfühlt, aber auf klassische Reichweiten-Angst verzichtet. Die Batterie lädt sich während der Fahrt – Tankstelle statt Wallbox.

Changans Timing ist kein Zufall. In China senkt BYD gerade die Preise für seine DM-i-5.0-Modelle, die mit 2,62 l/100 km die bisherige Benchmark setzen. Geelys NordThor-EM-i-Plattform kratzt an derselben Marke. Mit Blue Core will Changan seine Flaggschiffe UNI-K und CS75 Plus vor dem Preisverfall bewahren – und gleichzeitig die Abhängigkeit von Zulieferern wie Aisin bei Getriebe und Elektronik abwerfen.

Der Trick steckt im Software-Korsett: ein Algorithmus entscheidet in Millisekunden, wann der 1,5-Liter-Benziner einfährt, wann der E-Motor übernimmt. Kurzstrecken starten immer elektrisch, längere Landstraßen nutzen den Verbrenner im optimalen Wirkungsgrad. Wer im Berufsverkehr steht, spart laut Werksangaben bis zu 40 Prozent gegenüber herkömmlichen Hybriden – ohne jemals ein Kabel in die Hand zu nehmen.

Von rivoli nach rayong – der globale fahrplan

Von rivoli nach rayong – der globale fahrplan

Design und Fahrwerk kommen nicht aus dem Silicon Valley, sondern aus Rivoli bei Turin, wo Changan seit 20 Jahren ein Styling-Center betreibt. Die Europahomologation stemmt das britische Tech-Büro in Birmingham, die Rechtslenker-Fertigung läuft bereits im thailändischen Rayong. 2026 will Changan 750 000 Autos außerhalb Chinas verkaufen – Startmarken: Deutschland, Norwegen, Großbritannien.

Italia-Fans müssen sich noch ein Jahr gedulden, dafür aber mit Strom fahren: Deepal S05 und S7, zwei Elektro-SUV mit italienischem Pinselstrich, rollen 2026 auf unsere Straßen. Die 890-Millionen-Dollar-Tochter Deepal sichert Changan die Zukunft, während Blue Core den Übergang hybridisiert. Wer jetzt lacht, weil 2,98 l/100 km „nur“ auf dem Papier stehen, sollte bedenken: Bei minus 20 Grad behalten Changans neue Natrium-Ionen-Batterien von CATL ihre volle Leistung – ein Vorteil, den selbst teure Lithium-Ionen-Packes nicht bieten.

Die Nachricht kommt ohne Fanfare daher, aber mit einer Botschaft: Die nächste Runde im Hybrid-Kampf findet nicht in Wolfsburg oder Toyota-City statt, sondern in Chongqing. Und wer dort gerade die Nase vorn hat, entscheidet sich an der Zapfsäule – nicht an der Ladesäule.