Champions-league-reform droht handball-chaos: kann kiel jetzt absichtlich verlieren?
Die Handball-Welt steht Kopf! Eine neue Regelung der Europäischen Handballföderation (EHF) für die Champions League ab 2026/27 birgt ein absurdes Szenario vor sich, das nun die Bundesliga-Spitze in helle Aufregung versetzt. Und alles beginnt mit einem vermeintlich einfachen Topspiel zwischen dem THW Kiel und den Füchsen Berlin.
Ein wettlauf, den niemand gewinnen will
Normalerweise würde man als Fan erwarten, dass sein Team gegen einen direkten Konkurrenten alles gibt. Doch in diesem Fall könnte es für den THW Kiel strategisch klüger sein, das Spiel gegen Berlin am Sonntag (15 Uhr) zu verlieren. Warum? Weil die EHF-Reform eine so komplizierte Qualifikationsstruktur geschaffen hat, dass der Blick in die Kristallkugel erforderlich ist, um zu verstehen, wer überhaupt in der Königsklasse spielen darf.
Kiel, das die Saison mit 20 Minuspunkten begann und die Champions League verpasste, hat noch eine theoretische Chance auf die Königsklasse: Durch den Gewinn der European League (Final4 am 30./31. Mai in Hamburg). Aber selbst das ist keine Garantie. Denn wenn die Füchse Berlin – und das könnte passieren – das Final4 der Champions League in Köln gewinnen, entsteht ein regelrechter Knoten.
Das Paradoxon: Sollte Berlin am Ende der Bundesliga-Saison nur Dritter werden, sich aber den Champions-League-Titel sichern, wäre ein Kieler Sieg in der European League wertlos. Denn dann wären bereits Magdeburg, Flensburg und Berlin in der Königsklasse vertreten. Kiel müsste dann darauf hoffen, dass Berlin in der Liga mindestens Zweiter wird – eine höchst unwahrscheinliche Konstellation.
Die komplizierte Materie sorgt für Verwirrung und Kritik in der Bundesliga. Hendrik Pekeler, Abwehrchef von Kiel, drückte seine Besorgnis aus: „Das ist eine komische Situation, um nicht zu sagen eine verrückte – und kann so nicht im Sinne des Sports sein.“
Die Auslosung der Halbfinals der European League hat die Kieler zumindest in Bezug auf ihren eigenen Weg zum möglichen Titelgewinn Klarheit gebracht: Montpellier gegen Kiel und MT Melsungen gegen Flensburg. Im Lostopf der Champions League für die Halbfinals liegen Berlin, Magdeburg, Aalborg Handbold und der FC Barcelona. Es bleibt abzuwarten, ob die EHF auf die Kritik reagiert und die Reform noch einmal überdenkt, bevor das Handball-Chaos endgültig ausbricht.

Die suche nach dem sportlichen gerechtigkeitssinn
Die aktuelle Situation zeigt deutlich, dass die Reform der Champions League zwar ambitioniert ist, aber in ihrer Umsetzung zu absurden Ergebnissen führen kann. Es ist zu hoffen, dass die Verantwortlichen die Notwendigkeit einer klaren und nachvollziehbaren Qualifikationsstruktur erkennen und entsprechend handeln, um die Integrität des Wettbewerbs zu wahren. Denn in der Welt des Handballs, wie in allen Sportarten, sollte der sportliche Erfolg am Ende zählen – und nicht eine komplizierte Formel.
